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Kita-Kinder betreuen und Kühe melken

Die Kinder sollen wissen, woher die Milch kommt: Bäuerin Silvia Thalmann in ihrer ­hofeigenen Kita Chälbliland. Bild: Daniel Ammann
Die Kinder sollen wissen, woher die Milch kommt: Bäuerin Silvia Thalmann in ihrer ­hofeigenen Kita Chälbliland. Bild: Daniel Ammann

Beim Anruf bei Silvia Thalmann antwortet eine junge Stimme: die Tochter. Sie bittet um Geduld, durch den Hörer dringt ein Gewusel aus hellen Kinderstimmen, schliesslich ist die Mutter am Telefon: «Thalme.» Auf dem Hof der Thalmanns im thurgauischen Amriswil ist es selten still, wie sollte es auch. Hier lebt die Bauernfamilie mit rund 100 Kühen und Rindern, einem Esel, einem Hund, Katzen und Hühnern, Pferden und Ponys, ein paar «Chüngeln» und Geissen.

Seit die Familie letzten Herbst auf ihrem Bio-Bauernhof eine Kita eröffnet hat, ist alles noch ein bisschen lebhafter. Die Idee für die «Kita Chälbliland» stammte von der Tochter, die eine Ausbildung zur Kleinkindererzieherin macht. Es ist die erste Bauernhof-Kita im Kanton Thurgau. «Uns war wichtig, dass die ganze Familie dahintersteht», sagt Mutter Silvia Thalmann, die auf einem Bauernhof aufgewachsen und gelernte Hauspflegerin ist. Von strenger Arbeitsteilung halten die Thalmanns wenig. Nicht nur Mutter und Tochter arbeiten mit den Kindern, auch Vater Rolf leitet ab und zu eine Spielgruppe. Manchmal fragen die Kinder nach ihm: «Wo isch dä Buur Rolf?» Mutter Silvia ist immer wieder auf dem Feld anzutreffen, manchmal ist das gar nicht so schlecht: etwas zu tun, ohne dass drei Kinder gleichzeitig nach einem rufen.

Die 45-Jährige, die vor 20 Jahren auf den Hof ihres Mannes einheiratete, sagt: «Wir könnten auch melken, melken, melken, immer mehr Tiere haben.» Doch mit Lebensqualität habe das wenig zu tun. «Wenn wir aber den Jüngsten zeigen können, dass die Milch nicht aus dem Migros-Regal kommt, und wenn sie dann später als Schulkinder wiederkommen, dann ist das der schönste Lohn.» Ihr Mann Rolf ist Betriebsleiter und Besitzer des Hofes, er hat ihn von seinen Eltern übernommen. Manche Bäuerinnen lassen sich von ihren Partnern als Mitarbeiterinnen anstellen, um sich sozial abzu­sichern. Silvia Thalmann verzichtet darauf: «Wir verwenden das gesamte Einkommen gemeinsam. Aber ja, vielleicht müsste ich mich besser absichern.»

Ob der Hof dereinst von den Kindern weitergeführt wird, ist ungewiss. Der Sohn macht eine Lehre zum Landmaschinenmechaniker, derzeit interessiert er sich mehr für Traktoren als für Kühe. Aber das ging dem Vater genauso. Bis ihn die Freude an der Landwirtschaft packte. Oder vielleicht hat die Tochter Interesse? «Wenn sie den Hof übernehmen wollen», sagt Silvia Thalmann, «dann, weil sie es gerne tun. Anders gehts nicht. Beim ­Bauern muss man so viel hineinstecken.» (thu)

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