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Kinder sind in der Schweiz kein Armutsrisiko

Familien ­müssen mit weniger Geld über die Runden kommen als ­kinderlose Haushalte, sind aber nicht öfter arm. Die sozialstaatlichen Finanzflüsse gleichen das Armutsrisiko aus.

Kinder sind ein Geschenk und kein Risiko: Der Sozialstaat gleicht das «Armutsrisiko Kind» aus.
Kinder sind ein Geschenk und kein Risiko: Der Sozialstaat gleicht das «Armutsrisiko Kind» aus.
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Wann immer die Politik Gutes für die Familien tun will – und das kommt häufig vor –, ist ein alt­bekanntes ­Argument zu hören: Kinder seien ein Armutsrisiko, wenn nicht sogar das grösste.

Dabei geht oft vergessen, dass es der Sozialstaat mit Familien gut meint. Daran erinnern die neuen Zahlen zu den finanziellen Sozialtransfers, die das Bundesamt für Statistik (BFS) am Dinestag publiziert hat. Wenn man die verschiedenen Geld­flüsse von den Kinderzulagen bis zur Verbilligung der Kranken­kassenprämien berücksichtigt, haben Familien kein höheres Armutsrisiko als Haushalte ohne Kinder.

Nicht ärmer, aber . . .

Die Statistiker gehen dabei von der sogenannten Armutsgrenze aus, die aus Pauschalbeträgen für Wohnkosten und Lebensunterhalt berechnet wird. Für eine Einzelperson liegt diese statistische Armutsgrenze bei 2250 Franken im Monat, für eine vierköpfige Familie bei 4000 Franken. Als arm gilt ein Haushalt, wenn sein Einkommen nach Abzug obligatorischer Aus­gaben wie Prämien und Steuern unter der Armutsgrenze liegt. Dies trifft auf 3,6 Prozent der Paare mit Kindern zu sowie auf 3,5 Prozent der kinderlosen ­Paare. Sprich: «Das Armuts­risiko Kind kann durch die ­Sozialtransfers offensichtlich ausgeglichen werden», wie das BFS festhält.

Ohne Sozialtransfers sähe das Bild ganz anders aus. Die Armutsquote von Paaren mit Kindern ­läge in diesem Fall bei 13,4 Prozent, bei Familien mit drei Kindern sogar bei 18,3 Prozent. Nur dank den Zuschüssen sinkt ihr Armutsrisiko auf das Niveau ­kinderloser Haushalte. Dies gilt auch für die Alleinerziehenden, deren ­Armutsquote dank den Sozialtransfers von 43 auf 12,5 Prozent sinkt. Damit sind sie just ebenso häufig arm wie ein durch­schnittlicher, kinderloser Single-Haushalt.

. . . weniger gut situiert

Dies alles bedeutet aber nicht, dass Familien gleich gut situiert sind wie Kinderlose. Laut dem BFS bewegen sich viele Familien mit ­tiefen Einkommen, die neben Kinderzulagen auch Prämienverbilligungen erhalten, nur knapp über der Armutsgrenze. Dies wiederspiegelt sich in den amtlichen Statistiken zum verfügbaren Einkommen verschiedener Haushalttypen. Diese zeigen klar, dass Kinderlose im Durchschnitt – nach Abzug aller obligatorischen Ausgaben – Ende Monat mehr Geld haben als Haushalte mit Kindern. Das verfügbare Einkommen sinkt mit zunehmender Kinderzahl. Am wenigsten Geld haben Alleinerziehende.

Doch die Politik bemüht sich weiterhin, den Familien unter die Arme zu greifen. Bereits beschlossen sind Entlastungen bei den Krankenkassenprämien von Kindern und Jugendlichen ab 2019. Und die neue Unter­nehmenssteuerreform will der ­Bundesrat dem Volk mit höheren Kinderzulagen schmackhaft ­machen.

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