Keller-Sutters gefährlichster Konkurrent sagt ab

Martin Schmid beugt sich dem Gender-Druck und sagt für den Bundesrat ab. Auch Ruedi Noser twittert Gründe für sein Nein.

Er hätte damit rechnen müssen, nach einer allfälligen Wahl jahrelang als «Ladykiller» gebrandmarkt zu werden: Martin Schmid.

Er hätte damit rechnen müssen, nach einer allfälligen Wahl jahrelang als «Ladykiller» gebrandmarkt zu werden: Martin Schmid. Bild: Keystone

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Der Bündner Ständerat Martin Schmid steigt nicht ins Bundesratsrennen. Er stehe als Kandidat nicht zur Verfügung, «obwohl mich das Amt sehr reizen würde», hält Schmid in einer Medienmitteilung fest. Damit nimmt sich der gefährlichste Konkurrent von FDP-Topfavoritin Karin Keller-Sutter selber aus dem Rennen.

Auch der Zürcher Ständerat Ruedi Noser galt als möglicher Kandidat. In einem Tweet erklärt er seine Absage.

«Habe mich über die häufige Nennung gefreut, die Zeit ist jetzt aber reif für die zweite FDP-Bundesrätin»: Ruedi Noser (Foto: Dominique Meienberg).

Am Dienstag hatte Kronfavoritin Karin Keller-Sutter erklärt, sie stehe als Kandidatin zur Verfügung. Sie ist bis jetzt die einzige Vertreterin der FDP, die für eine mögliche Nachfolge von Johann Schneider-Ammann zugesagt hat.

Video: So erklärt Karin Keller-Sutter ihr JA

Die St. Galler Ständeratspräsidentin geht als Favoritin ins Rennen um Nachfolge von Johann Schneider-Ammann.

Erst am Mittwoch verzichtete der Urner FDP-Ständerat Josef Dittli auf eine Kandidatur. Auch er will Karin Keller-Sutter nicht konkurrieren und die Wahl einer FDP-Frau ermöglichen. Ständerat Andrea Caroni aus Appenzell Ausserrhoden verzichtet aus familiären Gründen und Carmen Walker Späh will lieber Zürcher Regierungsrätin bleiben.

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Martin Schmid macht in seinem Communiqué deutlich, er beuge sich dem überlauten Ruf nach einer Frau im Bundesrat. Er hätte «sich sehr gerne für die Interessen der Wirtschafts und des Berggebiets im Bundesrat eingesetzt», schreibt Schmid - und er glaube auch, dass er «viele Voraussetzungen für das hohe Amt erfüllen und die notwendige Führungserfahrung mitbringen» würde. Dass er nun trotzdem verzichte, liege daran, «dass ich dem weit verbreiteten Wunsch, dass jetzt eine freisinnige Frau im Bundesrat nachfolgen soll, nicht im Wege stehen will». Mit Karin Keller-Sutter stehe auch eine ausgewiesene und fähige Kandidatin zur Verfügung, schreibt er. Den Verzicht erleichtert hätten ihm familiäre Gründe, schreibt Schmid weiter, der drei Kinder im Vorschul- und Primarschulalter hat.

Zumindest auf dem Papier bringt Schmid ein ähnlich komplettes Bundesratsprofil mit wie Keller-Sutter: Zwar ist der 49-jährige Bündner medial deutlich weniger präsent als die 54-jährige St. Gallerin. Im Parlament ist aber auch Schmid breit respektiert. Als ehemaliger Regierungsrat und Ständerat seit sieben Jahren ist Schmids politische Erfahrung sehr vergleichbar mit jenem von Keller-Sutter. Wie Keller-Sutter nahm auch Schmid auf wichtige Parlamentsgeschäfte entscheidenden Einfluss, etwa bei der Umsetzung der Zweitwohnungsinitiative.

Innerhalb der FDP gehört Schmid zum rechten Flügel. Darum gab es vor allem aus der SVP Stimmen, die Schmid zu einer Kandidatur gegen Keller-Sutter aufforderten - sowohl öffentlich als auch im direkten Gespräch. «Schmid ist bürgerlicher als Keller-Sutter», sagte etwa der Bündner SVP-Nationalrat Heinz Brand. Mit weiterem Support hätte Schmid in konservativen CVP-Kreisen sowie bei den National- und Ständeräten aus Berggebiet rechnen können.

Der FDP-Fahrplan

In einem direkten Ausstich gegen Keller-Sutter wäre Schmid zwar der Aussenseiter gewesen. Weil eine Bundesratswahl aber bis zum Ende unberechenbar bleibt, hätte sich Keller-Sutter trotzdem bis zum Ende nicht ganz sicher fühlen können. Umgekehrt hätte Schmid damit rechnen müssen, nach einer allfälligen Wahl jahrelang als «Ladykiller» gebrandmarkt zu werden.

Bis am 24. Oktober müssen die FDP-Kantonalparteien die Kandidaturen melden. Nominiert wird dann am 16. November durch die Fraktion. Am 5. Dezember finden schliesslich die Ersatzwahlen statt. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 12.10.2018, 09:25 Uhr

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