Kein Freipass für Finanzspekulation

Sich ein rationales Urteil über die Juso-Initiative zu bilden, war schwierig. Angesichts der Ausgangslage sind 40 Prozent Ja-Stimmen ein Erfolg für die Initianten.

Andreas Valda@ValdaSui

Die Abstimmungsvorlage war ein Krampf. All die technischen Details zur Spekulation im Agrargüterhandel zu verstehen, war unmöglich. Auch half die Wissenschaft nicht. Studien widersprachen sich. Die einen sagten Ja, Spekulation treibe die Preise hoch. Andere befanden Nein, die Spekulation dämpfe Weltmarktpreise. Erschwerend ist die Tatsache, dass Preise für Agrargüter in den letzten zwei Jahren stark gefallen sind – trotz Finanzspekulation.

So blieb den meisten Stimmbürgern nur die Moralfrage: Bin ich für oder gegen Spekulanten? Spekulanten stehen laut Duden abwertend für Geschäftemacher. So lässt sich das Abstimmungsresultat auch anders interpretieren, nämlich: Rund 40 Prozent der Stimmenden verurteilen Geschäftemacherei an Finanzmärkten, die die Gesellschaft als Ganzes schädigt. Dieses Ergebnis ist für die Jungsozialisten ein Erfolg. Selbst Bürgerliche haben dem Anliegen zugestimmt.

Recherchen von Bernerzeitung.ch/Newsnetz zeigten, dass Schweizer Aufsichtsbehörden und der Regulator den Umfang der Spekulation mit Finanzderivaten von Schweizer Boden aus nicht kennen. Überspitzt gesagt, ist der hiesige Finanzderivatemarkt im Agrarbereich eine einzige Dunkelkammer. Marktmachtmissbrauch und Preismanipulationen an Derivatebörsen, wie sie die US-Börsenaufsicht aufgedeckt hat, werden mit einiger Sicherheit nicht nur von Firmen mit Sitz in den USA verübt. Das Stimmvolk hat der Finanzspekulation keinen Freipass erteilt.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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