Kantone reagieren auf die Kritik

Der neue Französischunterricht passt nicht allen. Die Passepartout-Kantone verteidigen nun ihre Französisch- und Englischlehrmittel. Gleichzeitig kündigen sie Verbesserungen an.

Die Französischlehrmittel «Mille feuilles» und «Clin d’œil» werden in einigen Punkten überarbeitet.

Die Französischlehrmittel «Mille feuilles» und «Clin d’œil» werden in einigen Punkten überarbeitet.

(Bild: Keystone)

Christoph Aebischer@cab1ane

Die Kritik an den neuen Fremdsprachenlehrmitteln hält an, vor allem seit nun auch Oberstufenlehrer damit arbeiten. Für Unmut sorgen vor allem jene für Französisch, «Mille feuilles» und «Clin d’œil» mit Namen: Eltern und Lehrer klagen, bei den Schülerinnen und Schüler bleibe nichts mehr vom Stoff haften. Gestern traten die Erziehungsdirektoren der Passepartout-Kantone Baselstadt, Baselland, Solothurn, Bern, Freiburg und Wallis zum ersten Mal gemeinsam auf und versuchten die Bedenken zu zerstreuen.

Sechs Botschaften

Sie vermittelten sechs Botschaften: Man werde an Französisch als erster Fremdsprache und dem Einstieg in der dritten Klasse festhalten. Die Passepartout-Kantone liegen allesamt an der Sprachgrenze. Zweitens sei man sich der kritisierten Punkte durchaus bewusst. Drittens werde das Lehrmittel angepasst (siehe Box). Viertens würden Gymnasien und Berufsschulen auf den bevorstehenden Übertritt der Passepartout-Schüler vorbereitet. Fünftens sei ab 2017 eine Evaluation geplant. Resultate dazu sollen 2021 vorliegen. Sechstens, betonten die Erziehungsdirektoren, seien die Lehrpersonen weiterhin frei, dort vom Lehrmittel abzuweichen, wo sie es pädagogisch für nötig erachteten.

«Wörtlitests sind möglich»

Das Lehrmittel sei ein «Kochbuch» und keine «Bibel», die buchstabengetreu zu befolgen sei. «Wörtlitests sind also möglich», entgegnete der Berner Regierungsrat Bernhard Pulver auf einen häufig geäusserten Vorwand. Pulver berichtete, dass er längst nicht nur negative Rückmeldungen von Lehrerinnen und Lehrern höre. Und zu jenen, die nur Rückschritte sähen, meinte er lakonisch: «Ich habe noch nie so viel Positives über das Vorgängerprodukt ‹Bonne chance› gehört wie im laufenden Jahr.» Davor habe es anders getönt.

Mit dem Wechsel zu den neuen Lehrmitteln – seien es «Mille feuilles» und «Clin d’œil» für Französisch oder «New World» für Englisch – geht eine neue Philosophie des Sprachenlernens einher. Die Verständigung steht im Vordergrund. Im Kanton Freiburg, betonte Staatsrat Jean-Pierre Siggen, sei dies längst Alltag: «Funktionale Mehrsprachigkeit, c’est courant normal pour nous», sagte er. Was man lerne, helfe beim Lernen weiterer Sprachen und mache neugierig auf die Vielfalt der Welt.

Man müsse sich vom «Mythos der perfekten Sprachbeherrschung» verabschieden. Im Übrigen hätten die Schülerinnen und Schüler schon bisher nicht perfekt und fehlerfrei Französisch und Englisch sprechen und schreiben können. «Diese hohe Erwartung hat in der Vergangenheit zu viele verstummen lassen», monierte Siggen. Oskar Freysinger aus dem Kanton Wallis gab sich deutlich skeptischer. Doch dank den Änderungen, die zum Teil bereits ab dem neuen Schuljahr eingeführt würden, sei auch er zuversichtlich.

Höhere Kosten für Gemeinden

Als weiteren Kritikpunkt werden jeweils die hohen Kosten des Lehrmittels angeführt. Die Entwicklungskosten würden sich auf 10 Millionen Franken belaufen, betonte Gesamtprojektleiter Reto Furter. Die kolportierten 100 Millionen verwies er ins Reich der Fantasie – dies selbst unter Einbezug sämtlicher Weiterbildungskosten.

Weil jeder Schüler jeweils sein eigenes Unterrichtsmaterial erhält, müssen die Gemeinden pro Schüler aber mehr bezahlen: Der Solothurner Erziehungsdirektor Remo Ankli hält eine Vervierfachung der Lehrmittelkosten für durchaus möglich. Allerdings, fügte er hinzu, sei dieser Posten im Vergleich zu den gesamten Unterrichtskosten klein.

Am lautesten begehren basellandschaftliche Stimmen auf, wo die Oberstufenlehrer erst nach den Sommerferien einsteigen – ein Jahr nach den anderen. Eine Volksinitiative, die quasi einen Übungsabbruch verlangt, wurde bereits eingereicht. Für die Vorsteherin der dortigen Bildungsdirektion, Monica Gschwind, keine leichte Ausgangslage, wie sie zugibt: Denn in erster Linie brauche es nun «Ruhe, Geduld und Ausdauer».

Berner Zeitung

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