Jetzt wird Mörgelis Professorentitel überprüft

Trotz Entlassung als Kurator blieb Christoph Mörgeli Professor. Will er den Titel weiter behalten, muss er nun einen wissenschaftlichen Nachweis erbringen.

Muss einen Lehrnachweis einreichen: SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli.

Muss einen Lehrnachweis einreichen: SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli.

(Bild: Keystone)

Iwan Städler@Iwan_Staedler

Als die Uni Zürich Christoph Mörgeli im Herbst 2012 entliess, betraf dies nur seine Anstellung als Kurator am Medizinhistorischen Institut. Titularprofessor hingegen durfte er bleiben. Der SVP-Nationalrat macht denn auch weiterhin von seiner Lehrbefugnis Gebrauch und organisiert Vorlesungen. Obwohl sich der Andrang der Zuhörer laut seinen eigenen Angaben in Grenzen hält, bietet er die Veranstaltungen «Erzählte Medizingeschichte» und «Medizinische Museologie» auch im kommenden Frühjahrssemester wieder an.

Doch nun wird seine Lehrbefugnis überprüft – und damit auch sein Professorentitel. Mörgeli werde noch im Januar angeschrieben und aufgefordert, den wissenschaftlichen Nachweis zu erbringen, sagt Beat Müller, Mediensprecher der Uni Zürich. Denn Titularprofessoren werden nicht auf Lebzeiten ernannt. Stattdessen überprüft die Universität periodisch die wissenschaftliche Leistung in Forschung und Lehre.

Überprüfung gemäss Reglement

Das Reglement der Medizinischen Fakultät sieht alle sechs Jahre ein solches Verfahren vor. Dies sei bei Mörgeli nun der Fall, so Müller. Letztmals habe man den Medizinhistoriker 2007 überprüft, worauf man ihm im Januar 2008 bestätigt habe, er erfülle die Voraussetzungen für eine Erneuerung der Lehrbefugnis – im Fachjargon Venia Legendi genannt.

Will Mörgeli weiterhin an der Uni unterrichten, muss er jetzt einen Lehrnachweis und eine aktualisierte Publikationsliste einreichen. Konkret hat ein Titularprofessor «jährlich Lehrveranstaltungen von mindestens 14 Stunden im Rahmen der human- oder zahnmedizinischen Ausbildung» durchzuführen. Ferner verlangt das Reglement «mindestens zwölf Originalpublikationen während der vorangegangenen sechs Jahre in ausgewiesenen Fachzeitschriften». Bei besonders hoher Qualität reichen auch sechs Publikationen.

Was heisst «ausgewiesen»?

Das könnte für Mörgeli knapp werden. Urteilt die Medizinische Fakultät der Uni Zürich gleich streng wie die führenden Medizinhistoriker der Universitäten Bern und Lausanne, hat er keine Chance. Laut Hubert Steinke und Vincent Barras publizierte Mörgeli nämlich keinen einzigen Artikel in international anerkannten wissenschaftlichen Zeitschriften. Möglicherweise sind die Zürcher Prüfer aber lascher in der Beurteilung darüber, was eine «ausgewiesene Fachzeitschrift» ist.

Sollte ihnen Mörgelis Leistungsausweis nicht genügen, muss die Medizinische Fakultät eine weitere Überprüfung ansetzen. Laut dem Reglement hat diese «innerhalb von drei Jahren, jedoch in der Regel innerhalb eines Jahres» stattzufinden. Fällt auch sie negativ aus, unterbreitet der Dekan einen Antrag auf Entzug des Titels. Stimmen mindestens zwei Drittel der Fakultätsversammlung zu, wird der Antrag an die Universitätsleitung weitergeleitet. Das Verfahren ist also kompliziert. Und solange es dauert, kann Mörgeli seinen Titel behalten.

Tages-Anzeiger

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