Jens Alder erhält 200'000 Franken vom VBS

Das VBS legt erstmals offen, wie viel Geld Jens Alder und seine Taskforce Informatik erhalten. Und nennt Details zum Millionenauftrag für die Boston Consulting Group.

Das VBS legt erstmals konkrete Zahlen vor: Ex-Swisscom-Chef Jens Alder hat von Ueli Maurers Departement für seine Beratung viel Geld bekommen.

Das VBS legt erstmals konkrete Zahlen vor: Ex-Swisscom-Chef Jens Alder hat von Ueli Maurers Departement für seine Beratung viel Geld bekommen.

Daniel Foppa@DFoppa

Ueli Maurers Verteidigungsdepartement (VBS) hat sich bisher gehütet, Zahlen zu den Berateraufträgen zu liefern, die es in immer höherer Kadenz vergibt. Nachdem aber zunehmend Kritik an den kostspieligen Aufträgen laut wurde, erfolgte gestern die Kehrtwende. Auf Anfrage des TA legte das VBS erstmals konkrete Zahlen zur Taskforce offen, die das Computerchaos im VBS beheben soll.

Ex-Swisscom-CEO Jens Alder erhält als Leiter des Steuerungsausschusses 200'000 Franken plus Spesen. Sein Auftrag ist auf das Jahr 2010 befristet. Laut VBS wendet er ein bis zwei Tage pro Monat auf. Die Taskforce selbst wird geleitet von William Angst, Ex-CEO der Swisscom-Immobilien. Seine Firma Innovatic Network AG erhält 500'000 Franken plus Mehrwertsteuer plus Spesen. Der Auftrag hat am 1. November 2009 begonnen und ist vorerst befristet bis Ende Jahr. Angst unterstellt sind Informatikspezialisten des VBS.

1,28 Millionen für zwei Monate

Ein direkter Zusammenhang besteht zwischen Alders Taskforce und der jüngst bekannt gewordenen Verpflichtung der Beraterfirma Boston Consulting Group (BCG). Gemäss der Zeitung «Sonntag» soll Alder auf das Engagement der BCG gedrängt haben. Das VBS schreibt dazu: «Das Engagement der BCG ist eine inhaltliche Folge von Erkenntnissen aus den Arbeiten der Taskforce Informatik.»

Laut VBS erarbeitet die BCG ein Informatik-Finanzführungssystem. Dies sei «der Schlüssel zur Lösung der gravierenden Informatikprobleme im VBS». Die BCG wird mit 1,28 Millionen entschädigt. Ihr Vertrag läuft gut zwei Monate – seit gestern bis zum 1. Oktober 2010. Zu den Vorwürfen, BCG sei besonders teuer, sagt das VBS: «BCG liegt im Preisbereich vergleichbarer Firmen mit vergleichbaren Kompetenzen.»

Erboste bürgerliche Politiker

Dennoch stösst der BCG-Auftrag auf immer mehr Kritik – sogar in Maurers eigener Partei. «So kann es nicht weitergehen», sagt Nationalrat Thomas Hurter (SVP, SH): «Das VBS darf nicht einen Einstellungsstopp verhängen und gleichzeitig bei den Beraterhonoraren mit derart grosser Kelle anrichten.» Auch Ratskollege Jakob Büchler (CVP, SG) ist erbost: «1,28 Millionen sind enorm – wenn man weiss, dass das VBS sonst jeden Rappen umdrehen muss.» Laut dem Präsidenten der Sicherheitspolitischen Kommission sorgen die VBS-Berateraufträge für «grosses Unbehagen» unter Sicherheitspolitikern. Büchler sagt: «Unsere Kommission muss sich damit befassen. Jetzt muss absolute Transparenz her.»

Tages-Anzeiger

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