Jeder Dritte misstraut dem Islam

Die Mehrheit der Bevölkerung ist gegenüber Ausländern tolerant. Ein gutes Drittel stört sich jedoch an der Anwesenheit von als anders empfunden Personen. Am grössten ist der Argwohn gegenüber Muslimen.

Die Skepsis gegenüber dem Islam ist in der Schweizer Bevölkerung relativ hoch.

Die Skepsis gegenüber dem Islam ist in der Schweizer Bevölkerung relativ hoch. Bild: Keystone

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Je nach betrachteter Gruppe zeigt sich die Schweiz unterschiedlich offen, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) zu einer am Dienstag publizierten repräsentativen Umfrage schreibt. Die Feindlichkeit gegenüber Musliminnen und Muslimen ist mit 14 Prozent verbreiteter als gegenüber Schwarzen (10 Prozent) und Juden (8 Prozent). Noch ausgeprägter ist die Islamskepsis: Das Misstrauen gegenüber der Religion und Kultur tritt mit 33 Prozent zutage.

Rund 3000 in der Schweiz lebende Personen wurden befragt, davon 78,5 Prozent Schweizer und 21,5 Prozent Ausländer – was einem repräsentativen Verhältnis entspricht. Von allen Befragten störten sich letztes Jahr 36 Prozent an der Anwesenheit von als anders empfundenen Personen. 6 Prozent gaben an, sich im Alltag durch Menschen anderer Hautfarbe oder anderer Nationalität gestört zu fühlen. Etwa jede und jeder Zehnte stört sich an einer anderen Religion oder Sprache. Gar 21 Prozent betrachten Menschen mit nicht sesshafter Lebensweise als ­störend.

16 Prozent der Befragten sehen sich durch Ausländer «bedroht». 4 Prozent äussern dieses Gefühl auch gegenüber Schweizerinnen und Schweizern. Am stärksten ist es, wenn es um die Austragung von politischen Konflikten geht.

Toleranz trotz Angst

Trotz allen Ängsten attestiert das BFS der Bevölkerung eine aufgeschlossene Haltung gegenüber anderen Nationalitäten. 64 Prozent sind dagegen, Ausländer bei Arbeitsplatzknappheit heimzuschicken. Fast ebenso viele begrüssen das Recht auf Familiennachzug, und 56 Prozent sind für eine automatische Einbürgerung der zweiten Generation. 65 Prozent glauben nicht, Ausländerinnen und Ausländer seien schuld, wenn man sich auf der Strasse nicht sicher fühle, und 68 Prozent verneinen die Aussage, Ausländer seien für eine Zunahme der Arbeitslosigkeit verantwortlich.

Die Erhebung des BFS gibt auch Aufschluss über die persönliche Erfahrung von Diskriminierung. 2016 gaben 27 Prozent an, in den letzten fünf Jahren aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer Gruppe mindestens einer Form der Diskriminierung ausgesetzt gewesen zu sein. Nach eigenen Angaben haben 4 Prozent körperliche Gewalt, 13 Prozent psychische Gewalt und 21 Prozent Diskriminierung er­fahren.

Bei den Personen, die in der Schweiz Opfer von Diskriminierung waren, ist die Nationalität in mehr als der Hälfte der Fälle die Ursache. Wobei davon auszugehen ist, dass die grosse Mehrheit dieser Personen Ausländer sind. Knapp die Hälfte der Opfer erklärte, in ihrem Arbeitsumfeld oder bei der Stellensuche diskriminiert worden zu sein.

Rassismus als Problem

2016 fanden 56 Prozent der Bevölkerung, dass die Integration der Migrantinnen und Migranten gut funktioniert. 66 Prozent nehmen Rassismus als gesellschaftliches Problem wahr. Die Mehrheit glaubt, dass die ergriffenen Massnahmen in diesen Bereichen den Bedürfnissen entsprechen. Rund ein Drittel denkt jedoch, dass die Vorkehrungen ungenügend oder unbefriedigend sind. (lm/sda)

Erstellt: 10.10.2017, 19:38 Uhr

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