Ist bei Sommaruga Hopfen und Malz verloren?

Es klingt nach einer Bieridee, aber dahinter steckt ein durchaus seriöses Anliegen: Die Gesellschaft zur Förderung der Biervielfalt hat Bundesrätin Simonetta Sommaruga (SP) zum Zwangsmitglied ernannt.

Wie steht Simmonetta Sommaruga zum Schweizer Bier? An der Bundesfeier 2017 in Môtiers standen jedenfalls nur Wasser- und Weinflaschen auf dem Tisch der Justizministerin.

Wie steht Simmonetta Sommaruga zum Schweizer Bier? An der Bundesfeier 2017 in Môtiers standen jedenfalls nur Wasser- und Weinflaschen auf dem Tisch der Justizministerin. Bild: Keystone

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Die zweifelhafte Ehre der Zwangsmitgliedschaft wird Justizministerin Simonetta Sommaruga zuteil, weil der Bundesrat im Schweizer Handel nur Pils aus Tschechien zulassen will, nicht aber hierzulande gebrautes Bier unter demselben Namen. Die Gesellschaft zur Förderung der Biervielfalt (GFB) stört sich daran, weil dies die Biervielfalt hierzulande einschränke. Die Bezeichnung Pils oder Pilsner Art sei international gebräuchlich, und auch in der Schweiz würden viele Brauereien das hopfig gebraute helle Bier herstellen. Nur dürfen sie dies auf der Etikette nicht dekla­rieren.

Hartmuth Attenhofer, Generalsekretär der GFB, berichtet von einem Brauer, der dies trotzdem getan hat. «Er musste das Pils aus dem Sortiment nehmen und das Wort Pils auf der Etikette mit einem schwarzen Filzstift durchstreichen.» Hintergrund für diese Regel ist ein Staatsvertrag zwischen der Schweiz und Tschechien: Die Eidgenossenschaft garantiert, dass in der Schweiz nur «echtes» Pils zugelassen wird. Im Gegenzug darf in Tschechien nur Emmentaler aus der Schweiz verkauft werden.

Nicht nur Attenhofer, sondern auch CVP-Nationalrat Alois Gmür (SZ) findet das Käse. Der Braumeister aus Einsiedeln fordert in einem Postulat die Aufhebung des Staatsvertrags – stösst damit beim Bundesrat allerdings auf taube Ohren. Deshalb erhält Sommaruga eben die Zwangsmitgliedschaft in der Gesellschaft für Biervielfalt. Attenhofer verweist darauf, dass eine Zwangsmitgliedschaft keine erfreuliche Sache sei. Sie beinhaltet keinerlei Rechte, sondern nur Pflichten – namentlich die Entrichtung ei­nes Mitgliederbeitrags von 40 Franken. Den Mitgliederausweis und die Rechnung hat Sommaruga bereits per Post erhalten.

Falls keine Antwort kommt und der Mitgliederbeitrag nicht bezahlt wird, verschickt Atten­hofer eine Mahnung. Das war in der 25-jährigen Vereinsgeschichte schon einmal so, bei Sepp Blatter. Der damalige Fifa-Präsident war im Vorfeld der WM 2006 zum Zwangsmitglied ernannt worden, weil er einen Exklusivvertrag mit einer US-Grossbrauerei genehmigt hatte. Blatter nahm die Mahnung offenbar bierernst: Er hat sich laut Attenhofer beim Rechtsdienst erkundigt, ob man ihn zu der Mitgliedschaft zwingen könne.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 12.10.2017, 08:44 Uhr

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