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Inflation bei den TCS-Luftrettungen

Innerhalb des Automobilclubs rumort es gewaltig aufgrund der Attacken gegen die Rega.

Seit der TCS-Hubschrauber im Aargau die Rega konkurrenziert, herrscht bei Rettungsflügen im Aargau Inflation: Helikopter der Rega und des TCS.
Seit der TCS-Hubschrauber im Aargau die Rega konkurrenziert, herrscht bei Rettungsflügen im Aargau Inflation: Helikopter der Rega und des TCS.

Seit der gelbe TCS-Heli im Kanton Aargau Rettungseinsätze fliegt, wird der beschauliche Mittellandkanton offenbar von einer tiefschwarzen Serie schlimmster Verkehrsunfälle und medizinischer Notfälle heimgesucht. Zu diesem Schluss kommt jedenfalls, wer die Anzahl Rettungseinsätze des neuen TCS-Helikopters mit den Zahlen der Rega-Einsätze früherer Jahre vergleicht. Die BaZ hat die Vergleichszahlen für den Zeitraum vom 1. Juni bis 10. Juli angefordert. Sowohl bei der Rega als auch bei der Firma AAA. Die Alpine Air Ambulance ist eine Tochtergesellschaft der Lions Air und führt im Aargau für den TCS die Rettungsflüge durch.

Die Zahlen zeigen: Seit der TCS-Hubschrauber im Aargau die Rega konkurrenziert, herrscht bei Rettungsflügen im Aargau Inflation. Zwischen dem 1. Juni 2013 und dem 10. Juli 2013 verzeichnet die Alarmzentrale der AAA 22 Primäreinsätze mit dem gelben TCS-Heli. In allen 22 Fällen wurde dieser durch die Aargauer Notfalleinsatzzentrale 144 aufgeboten. In der gleichen Zeitspanne im Jahr 2012, als es den TCS-Rettungsheli noch nicht gab, flog die Rega sechs Mal in den Aargau ein. 2011 wurde die Rega zehn Mal aufgeboten, 2010 wiederum sechs Mal. 2009 leistete die Rega im Kanton Aargau zehn Primäreinsätze, im Vorjahr vierzehn. Dies ergibt einen Durchschnitt von 9,6 Rega-Rettungen im Aargau in fünf Jahren, immer in der Zeit zwischen 1. Juni und 10. Juli.

Gezielt generiert?

AAA-Sprecherin Petra Seeburger präzisiert auf Nachfrage der BaZ, im genannten Zeitraum sei der TCS-Helikopter neun Mal bei Verkehrsunfällen herbeigerufen worden und 13 Mal bei medizinischen Notfällen (Bewusstlosigkeit, Krampfanfälle, Verbrennungen, Verbrühungen usw.). Eine Erklärung für diese Häufung an Rettungseinsätzen aus der Luft hat Seeburger nicht. «Wir gehen in den Einsatz, wenn wir von der Aargauer Notrufzentrale aufgeboten werden», sagt sie.

Für einen Notfallexperten, der nicht namentlich zitiert werden will, ist klar: Eine solche Häufung primärer Luftrettungseinsätze bewegt sich ausserhalb der statistischen Bandbreite. Er hält es für möglich, dass hier Rettungseinsätze aus der Luft gezielt generiert werden. Das würde bedeuten: Der TCS-Heli wird von medizinischen Nothelfern am Boden im Zweifelsfall deutlich häufiger herbeigerufen, als dies zu Zeiten der Fall war, als die Rega auch im Aargau noch allein operierte. Die Aargauer Notfallzentrale 144 dürfte für diese aussergewöhnliche Häufung keine Verantwortung treffen, denn sie alarmiert den TCS-Heli nur, wenn dies vom medizinischen Personal vor Ort verlangt wird. Welches die tatsächlichen Gründe für die Inflation bei TCS-Rettungsflügen sind, bleibt deshalb vorerst offen. Die massive Zunahme der teuren Rettungsflüge im Aargau zeigt aber, dass Konkurrenz auf diesem Gebiet nicht unbedingt zu tieferen Kosten führt. Mehrkosten für medizinisch nicht zwingende Rettungsflüge per Helikopter hätten in erster Linie die Krankenversicherer zu tragen.

«Fehler auf beiden Seiten»

Um die Lufthoheit bei Aargauer Rettungseinsätzen gibt es im Hintergrund eine Auseinandersetzung zwischen TCS und Rega, die national für Aufsehen sorgt. Umstritten ist der Auftritt des Automobilclubs TCS als Aargauer Luftretterin nach BaZ-Recherchen auch innerhalb der eigenen Reihen. Ein Vorstandsmitglied sagt, «es wurden Fehler auf beiden Seiten begangen».

Geharnischt fielen Leserreaktionen aufgrund von Medienberichten aus. Mitglieder kündigten den Austritt aus dem TCS an. Sie haben kein Verständnis, dass sich der Verein nicht auf seine Stärken konzentriert – die Pannenhilfe auf der Strasse und eine klare Verkehrspolitik im Bund im Sinne der 1,6 Millionen Clubmitglieder. «In den TCS-Gremien rumort es gegenwärtig gewaltig», sagt ein Insider. Verärgert über die Attacken auf die Rega zeigen sich einige der 2,5 Millionen Gönner. Während ihre Zahl im Jahresmittel um rund 50 000 wächst, sieht sich der TCS mit einem Mitgliederschwund konfrontiert.

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