In die zweite Röhre sind bereits Millionen investiert worden

Die Gotthard-Abstimmung steht bevor – doch der Bund lässt Ingenieure schon jetzt den neuen Tunnel planen. 6 Millionen Franken wurden dafür bislang ausgegeben.

Eingang des Gotthard Strassentunnels bei Göschenen. Foto: Urs Flüeler (Keystone)

Eingang des Gotthard Strassentunnels bei Göschenen. Foto: Urs Flüeler (Keystone)

Fabian Renz@renzfabian01

«Das seit über 25 Jahren erfolgreiche Ingenieurkonsortium IG Gottardo Due (. . .) erhält den Zuschlag für die Projektierung der zweiten Röhre des Gotthard-Strassentunnels.» Diese frohe Botschaft konnte die Aargauer Gähler und Partner AG, das führende Ingenieurbüro der IG Gottardo Due, im Oktober 2013 vermelden – zweieinhalb Jahre vor der nunmehr anstehenden Volksabstimmung über die zweite Röhre (und sogar noch vor dem Entscheid von National- und Ständerat). Man werde «umgehend» mit den Arbeiten starten, verkündete das Konsortium, das früher bereits den Neat-Doppeltunnel konzipiert hatte.

Bei einem Nein ist das Geld weg

Tatsächlich hat der Bund der IG Gottardo Due für die Projektierung der zweiten Röhre bis heute 3,6 Millionen Franken gezahlt, wie das Bundesamt für Strassen (Astra) auf Anfrage bekannt gibt. Weitere knapp 2,5 Millionen Franken gingen an andere Unternehmen für Bauherrenunterstützung, Umweltverträglichkeitsprüfung, Machbarkeitsstudien und verschiedene weitere Abklärungen. Alles in allem wurden in das umstrittene Projekt bislang also gut 6 Millionen Franken investiert. Das ist nicht viel im Vergleich zu den 2,8 Milliarden, die der neue Tunnel inklusive Sanierung des alten insgesamt kosten soll. Doch immerhin: Falls das Volk am 28. Februar Nein stimmen sollte, wären die 6 Millionen umsonst ausgegeben worden. In das Alternativprojekt, den Auto- und Lasterverlad auf die Schiene, floss dagegen bislang kein Geld.

Die Vorzugsbehandlung der zweiten Röhre ärgert den Verein Alpen­initiative, wie Präsident Jon Pult sagt: «Wir kämpfen für ein Nein, und wenn wir Erfolg haben, sind die Beträge für die zweite Röhre verschleudert.» Die vorgezogene Auftragsvergabe ist für Pult umso stossender, als kein zeitlicher Druck bestehe. Der Bündner SP-Politiker verweist auf einen Bericht des Astra, der vor zwei Monaten publik wurde: Der ­Sanierungsbedarf ist im Gotthardtunnel demnach weniger akut als angenommen. «Wir haben keinen Stress: Wir können vor einem Sanierungsentscheid in Ruhe testen, wie gut der Neat-Betrieb und die Verkehrsverlagerung funktionieren», betont Pult.

Beim Astra wiederum gibt man zu bedenken, dass der Bundesrat schon 2012 der zweiten Röhre gegenüber den anderen Varianten den Vorzug gegeben habe. Die frühzeitige Projektierung sei daher folgerichtig: So könne man nach einem positiven Volksentscheid «schnell vorwärtsmachen», erklärte ein Sprecher.

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