Imame gehören besser überprüft, bevor sie predigen dürfen

Redaktor Christoph Aebischer zum Umgang mit Moscheen und Imamen.

Christoph Aebischer@cab1ane

Selbst eine abgeschlossene Ausbildung hilft Immigranten in der Schweiz bei der Jobsuche oft nicht weit. Je nach Herkunftsland müssen sie viel investieren, um hiesigen Ansprüchen gerecht zu werden.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet islamische Geistliche davon ausgenommen sind. Sie müssen vor allem nachweisen, dass sie einigermassen Deutsch oder eine andere Landessprache beherrschen. Die Ausbildung spielt eine untergeordnete Rolle. Das Phänomen der Jihad-Reisenden weckte nun auch hierzulande Interesse – und Misstrauen gegenüber der religiösen Praxis. Medienberichte lassen aufhorchen: Nicht bloss ausländische Hetzprediger vermitteln einen ultrakonservativen oder gar ­radikalen Islam. Es häufen sich Berichte von in der Schweiz angestellten Imamen, die dies ebenfalls tun.

Für Aufsehen sorgten zwei Imame an der grossen Moschee in Genf. Sie werden von Frankreich aus wegen ihrer Nähe zu ­extremistischen Kreisen überwacht. Schwierig ist zudem, dass etliche Imame ihren Lohn mindestens zum Teil aus dem Ausland beziehen, etwa aus der Türkei oder indirekt auch aus Saudiarabien. Selbst Gläubige klagen darüber, dass ihre Imame oft zu wenig vom hiesigen Leben verstünden, um ihnen eine wirkliche Stütze zu sein.

Wie viele der rund 150 Imame in der Schweiz nicht die Integration fördern, sondern Abgrenzung predigen, ist unklar. Das liegt auch an der Organisation der muslimischen Gemeinden. Sie sind meist als unverbindliche Vereine konstituiert.

Solle sich dies ändern, müsste der Islam analog zu den christlichen Kirchen und dem Judentum staatlich anerkannt werden, schlagen Experten vor. In Freiburg gibt es Bestrebungen für einen Bildungsgang an der Universität. In Österreich ist Ersteres seit 1912 Tatsache, und ab 2017 wird an der Universität Wien ein Lehrstuhl für islamische Theologie existieren. Daran wird sich die Schweiz orientieren müssen. Denn, ob es uns passt oder nicht, die 340'000 in der Schweiz lebenden, statistisch erfassten Muslime – andere Quellen gehen von 450'000 aus – sind längst Teil unseres Landes. Sie machen mehr als 5 Prozent unserer Bevölkerung aus (zum Vergleich: 0,2 Prozent sind Juden).

Von einem überhasteten Vorgehen ist jedoch abzuraten. Das gilt ausdrücklich für die heissdiskutierte Frage, ob eine aus­ländische Finanzierung von Moscheen wie in Österreich verboten werden soll. Ein Verbot bedingt nämlich quasi die staatliche Anerkennung, weil andernfalls die Finanzierung schwierig wird. Dasselbe gilt für transparente Finanzen. Dazu ist erst eine öffentlich-rechtliche Institution verpflichtet. Rasch stoppen müsste der Staat hingegen Scharfmacher wie jene in Genf. Die Überprüfung von Imamen ist leider immer noch lückenhaft.

Berner Zeitung

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