Illegaler Autofriedhof in Bern entdeckt

Herzogenbuchsee

Ein Garagist entdeckte in Bern einen bisher unbemerkten Autofriedhof. Der Kanton spricht von einem «illegalen Betrieb».

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Mit diesen Karossen fährt keiner mehr durch die Gegend: Rund sechzig Alt- und Abbruchwagen haben sich auf dem Areal Schwarz an der Hofmattstrasse angesammelt. In Reih und Glied stehen sie da, schön versteckt, zwischen einer alten Fabrikhalle und einem rostigen Gitterzaun.

Lange Zeit konnte der Besitzer der Wagen, ein junger Mazedonier, ungestört seinen Geschäften nachgehen – obwohl er für seinen Abstellplatz in Herzogenbuchsee gar keine Bewilligung besitzt. Doch damit ist nun Schluss: Der Kanton macht Druck, die Gemeinde müsse handeln.

«Skandalöse Zustände»

Aufgefallen ist der Autofriedhof dem Buchser Theo Möll, Geschäftsführer der Sternen-Garage. Auf einem Sonntagsspaziergang zückte er seine Digitalkamera, drückte ein paar Mal ab und schickte die Fotos zusammen mit einem kritischen Schreiben an die Gemeinde. Die Zustände auf dem Areal seien «skandalös», der Umweltschutz «in weite Ferne gerückt», steht darin geschrieben. «In meinem Betrieb muss ich jedes Autoteil ordnungsgemäss und teuer entsorgen – hier gelten offenbar andere Regeln», nervt sich Möll.

Von der Gemeinde erwartet der Gewerbler eine rasche Antwort. Die BZ hat gestern telefonisch nachgefragt – und eine Kurzantwort erhalten. «Der Fall ist Gegenstand eines laufenden Verfahrens. Deshalb kann ich dazu nicht Stellung nehmen», sagte Gemeindepräsidentin Charlotte Ruf. Deutlichere Worte wählte indes Stephan Bögli vom kantonalen Amt für Wasser und Abfall. «Dieser Betrieb ist ganz klar illegal. Dafür existiert keine abfallrechtliche Betriebsbewilligung.»

Er will Gesuch einreichen

Der Besitzer der Schrottwagen war gestern nur telefonisch erreichbar. Seinen Namen wollte er nicht nennen, «dafür ist es noch zu früh». Zuerst müsse er jetzt all die Formulare für sein Baugesuch ausfüllen und auf der Gemeindeverwaltung vorbeibringen. «Ich möchte hier einen legalen Betrieb führen und nichts Verbotenes tun. Das können Sie mir glauben.»

Zu teuer für den Export?

Auf dem Schwarz-Areal ist der Mann nach eigenen Angaben seit neun Monaten tätig. Seine Wagen erhält er von Garagisten aus der Umgebung, für den Export sind sie offenbar zu teuer. Deshalb habe er versucht, Einzelteile auszubauen und weiterzuverkaufen, erzählt der Mazedonier. «Leider klappte das nicht.» Jetzt würden seine Autos regelmässig von der Firma Kaufmann aus Thörishaus abgeholt und auf deren Schrottplatz entsorgt. «Dafür bekomme ich auch noch ein bisschen Geld.»

Ein Geschäft, das bald ins Stocken geraten dürfte. Für Stephan Bögli vom Kanton besteht nämlich Handlungsbedarf. «Der Ball liegt bei der Gemeinde. Sie muss umgehend ein Verfahren in die Wege leiten.» Mit einer einfachen Baubewilligung wird es für den Gesuchsteller nicht getan sein. Er braucht auch ein Nutzungs- und Entwässerungskonzept, muss ein Gesuch für eine abfallrechtliche Betriebsbewilligung einreichen und bauliche Massnahmen ergreifen. Ein Schlammsammler und ein Ölabscheider sind Pflicht, damit giftige Substanzen der schrottreifen Wagen nicht im Erdreich versickern oder in die Kanalisation fliessen können.

Solche Vorkehrungen hat Theo Möll bei seiner Sternen-Garage ebenfalls treffen müssen. «Höchste Zeit, dass hier mit gleichen Ellen gemessen wird. Das ist wichtig für alle Garagisten», sagt der Gewerbler – und kann sich einen Seitenhieb nicht verkneifen: Mit Erstaunen habe er in der Zeitung gelesen, dass der Buchser Matthias Fricke ein Baugesuch habe einreichen müssen, nur weil er seine weisse Fassade weiss streichen wollte. «Im Vergleich mit diesem Schrottplatz», sagt Möll, «ist dieses Gstürm doch eine Bagatelle. Und wenn es die Gemeinde wirklich so genau nehmen will, dann soll sie jetzt auch tätig werden.»

Berner Zeitung

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