Ideen, die die Welt verbessern

Social Design unterstützt das Zusammenleben der Generationen oder erleichtert das Dasein im Alter. Dieses Jahr zeichnete der Designpreis Schweiz erstmals soziales Design aus: Es gewann das Berner Hotelspitex-Projekt.

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Helen Lagger@FuxHelen

«Meine Mutter ging immer gerne in die Ferien.» Das erzählt Susanne Gäumann, Initiantin und Geschäftsleiterin der Stiftung Claire & George in Gstaad. Doch sobald sie die Spitex brauchte, sei «das Reisen schwierig geworden». Zwar habe ihre Mutter die Ferien gerne mit ihren Kindern verbracht, sie wollte ihnen aber nicht zur Last fallen.

Aus diesem Bedürfnis heraus hat Susanne Gäumann ihr Projekt entwickelt. Die studierte Anglistin suchte das Gespräch mit Pflegefachleuten. Schliesslich reichte sie bei der Age-Stiftung eine Idee für ein Pilotprojekt ein, das Menschen mit Handicap das Reisen erleichtern soll. Am Freitag wurde die 2013 gegründete Stiftung mit dem Preis in der neu geschaffenen Kategorie «Design Leadership» ausgezeichnet (siehe Kasten).

Generationenverbindend

«Diese denkbar einfach und zugleich smart konzipierte Dienstleistung ist ein echter Problemlöser», lautet die Begründung der Nominatoren. Claire & George gewann die neu geschaffene Preiskategorie «Design Leadership Prize: Focus Ageing Society» gemeinsam mit einem anderen Projekt.

Die sechs in dieser Kategorie nominierten Beiträge zeigen, «wie Design als ganzheit­licher Entwicklungsansatz zu ­innovativen und konkreten Lösungen führt». Aus dem Kanton Bern stammte noch ein zweites Projekte dieser Art: das Berner Generationenhaus der Burgergemeinde Bern. Nach einer denkmalgerechten Sanierung sei das Burgerspital erfolgreich zu einem für alle Generationen attraktiven Treffpunkt umgewandelt worden, so die Nominatoren.

Weniger Barrieren

Gemeinhin denkt man bei Design an visuelle Gestaltung, an formschöne Kleider oder Möbel. Was hat also ein Rundumreiseservice für Menschen mit Handicap oder ein Treffpunkt für Alt und Jung mit Design zu tun? «Auch Pro­zesse und Dienstleistungen werden gestaltet», so Initiantin Gäumann.

Das sogenannte Social ­Design, auch «Design for all» genannt, wolle Lösungen schaffen, die für möglichst viele Nutzer als komfortabel und attraktiv wahrgenommen würden. Es gehe darum, Barrieren abzuschaffen, die Inklusion voranzutreiben. In diesem Sinne seien die Produkte, Dienstleistungen und Informationsangebote bei Claire & George gestaltet worden.

Wer ist Claire, und wer ist George? «Es handelt sich um einen Fantasienamen», sagt Gäumann. Claire stehe für das pflegende Element, die Krankenschwester, George sei der Butler. «Wir bringen das Spitex-Netzwerk mit dem Hotellerienetzwerk in der Schweiz zu einer neuen Dienstleistung zusammen.» Entsprechend seien der Spitex- Verband Schweiz und Hotelleriesuisse im Stiftungsrat vertreten.

Hat das überhaupt noch etwas mit Formschönheit zu tun? Der ästhetische Aspekt liege im visuellen Auftritt. «Es galt sowohl ältere Menschen als auch junge Menschen mit Behinderung anzusprechen», so Gäumann. Dazu gehöre eine einfache, visuelle Sprache wie auch eine gut navigierbare, barrierefreie Website.

Von der Idee zum Prototyp

Auch Till Grünewald, Leiter des Berner Generationenhauses glaubt an die Zukunft von Design, das den Menschen in den Mittelpunkt stellt. «Ein Trend ist momentan das sogenannte Design Thinking», so der 40-jährige Zürcher. Dabei handle es sich um einen partizipativen Prozess, der von einer im Team konzipierten Ideensammlung zu einem Prototypen führe.

Beim Generationenhaus, dessen Eigentümerin die Burgergemeinde Bern ist, setzt man auf ein erprobtes Konzept: Es enthält sowohl eine Kindertagesstätte wie eine Altersinstitution. «Das Generationenhaus ist ein Marktplatz für soziale Angebote und ein niederschwelliger Begegnungsort für alle Altersgruppen», so Grünewald. Social Design hat für Grünewald insofern etwas mit Ästhetik zu tun, als einfache und gute Lösungen oft auch schön seien.

Als persönliche Inspiration nennt er den amerikanischen Designer George Nelson (1908–1986). «Er war der erste Designer, der im Team mit einem Soziologen gearbeitet hat, um die Arbeitsweise von Menschen zu analysieren und entsprechende Möbel zu ent­werfen.»

Berner Zeitung

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