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«Ich will jetzt die Blockaden lösen»

Der neue Bundesrat Didier Burkhalter gibt sich im Interview nüchtern, sachlich und beherrscht. In der Regierung will der Neuenburger aber vehement anpacken. «Die Wahl bringt neue Dynamik in den Bundesrat», ist er überzeugt.

Didier Burkhalter, Sie haben kurz nach Ihrer Wahl beim Empfang des Gesamtbundesrates von Pascal Couchepin ein Couvert zugesteckt bekommen. Verraten Sie, was drin war?

Didier Burkhalter: Ich habe das Couvert inzwischen geöffnet, werde aber nicht verraten, was drin war. Es ist etwas sehr Persönliches. Zwar kein Staatsgeheimnis, aber etwas sehr Nettes.

CVP-Präsident Christophe Darbellay hat Sie am Nachmittag zwischen zwei Interviews im leeren Ständeratssaal angesprochen. Hat er Ihnen gratuliert?

Ja, hat er. Ich habe ihn gefragt, ob er wisse, wo Urs Schwaller ist. Mit ihm wollte ich noch einige Worte wechseln. Das wäre normal und Fairplay.

Wie haben Sie die Ausmarchung gegen den Freiburger CVP-Kandidaten erlebt?

Es war eine würdige Wahl. Sie hat den Zusammenhalt und die Einheit des Landes gefestigt. Die Wahl eines Westschweizers ist wichtig, damit sich die Bevölkerung im Bundesrat vertreten fühlt. Es war zudem zentral, die Konkordanz hochzuhalten. Die angemessene Vertretung der Parteien im Bundesrat ist nötig, um tragfähige Lösungen erarbeiten zu können. Die Wahl ermöglicht es jetzt auch, eine neue Dynamik in den Bundesrat zu bringen.

Christian Lüscher hat sich im dritten Wahlgang zurückgezogen und Ihnen den Weg zur Wahl frei gemacht. Wäre Ihr Konkurrent vorne gelegen, hätten Sie sich auch zurückgezogen?

Ja, auch ich hätte mich zurückgezogen, wenn es klar gewesen wäre, dass die anderen Parteien die Konkordanz respektieren.

Sie wirken häufig ernst. Freuen Sie sich überhaupt über die Wahl?

Ich freue mich sehr. In erster Linie muss der Gewählte aber nicht nur an sich denken und allen zeigen, wie er sich freut. Ich trete ein Mandat an für das Land und seine Institutionen. Die Freude ist ein wenig mir und meiner Familie vorbehalten.

Wenn das Amt wichtiger ist als die Person – wird Bundesrat Didier Burkhalter ein stiller Schaffer hinter verschlossenen Türen?

Nein. Aber es gilt abzuwägen, wann es Sinn macht, sich öffentlich zu äussern. Es ist eine Kunst, den richtigen Zeitpunkt zur Kommunikation zu finden.

Wie wollen Sie den Kontakt zur Bevölkerung pflegen?

Ich werde so bleiben, wie ich bin. Guten Kontakt zu den Menschen pflege ich schon heute. Das habe ich die letzten Stunden nach meiner Wahl einmal mehr erleben dürfen.

In den Zeitungen wurden Sie als dossierfest und gründlich, aber auch als reserviert, als Mann ohne Charisma und ohne allzu starke Ausstrahlung beschrieben. Wie sehen Sie sich selber?

Das mit dem fehlenden Charisma habe ich nie nachvollziehen können. Das muss man mir erst erklären. Ich habe alle Wahlen gewonnen, habe guten Kontakt zu den Leuten und zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Man muss nicht künstlich nach Charisma suchen. Man muss bleiben, wie man ist.

Sie wurden als Brückenbauer bezeichnet. Im Bundesrat hapert es zuweilen an der Harmonie. Wollen Sie auch hier Brücken bauen?

Ich glaube, im Bundesrat ist es harmonischer, als man denkt. Es ist eher ein Problem der Kommunikation. Es wurde vielleicht zu viel und zum falschen Zeitpunkt kommuniziert. Im Bundesrat läuft es sehr gut, und so soll es auch künftig bleiben.

Welches Departement bevorzugen Sie?

Ich bin offen für alles und freue mich auf jedes Departement. Es ist aber schon wahrscheinlich, dass ich das Innendepartement übernehme. Der Bundesrat entscheidet am Freitag.

Im EDI würden gerade im Gesundheitswesen einige Knacknüsse auf Sie warten. Welche Pläne haben Sie, um die steigenden Gesundheitskosten in den Griff zu bekommen? Finden Sie eine Praxisgebühr von 30 Franken richtig?

Als Ständerat war ich sehr skeptisch gegenüber dieser Massnahme. Die Lösung des Nationalrates mit der Selbstbehaltdifferenzierung ist besser. Als Bundesrat muss ich nun schauen, wie es mit diesem Dossier weitergeht. Aber die Praxisgebühr ist nicht das Wichtigste.

Sondern?

Im Vordergrund stehen in der Gesundheitspolitik die grundsätzlichen Formen, die im Parlament blockiert sind. Diese zu deblockieren ist mein Ziel.

Wie wollen Sie dies anstellen?

In den letzten Jahren hat man wichtige Projekte, die im Parlament mehrheitsfähig waren – zum Beispiel «Managed Care» mit seinen Ärztenetzwerken –, mit anderen Reformvorhaben verknüpft. Diese Verknüpfungen müssen wir lösen. So könnten die wichtigsten Vorhaben rascher in Kraft gesetzt werden. Zurzeit werden die Reformen viel zu langsam angepackt. Das kostet.

Als Innenminister wären Sie auch Kulturminister, also auch Filmminister. Mögen Sie das Kino?

Sehr sogar. Ich gehe oft ins Kino. Zuletzt habe ich die Filme von Clint Eastwood «Der fremde Sohn» und «Gran Torino» gesehen.

Welche Musik gefällt Ihnen?

Ich höre fast alles gerne, komme aber nicht so viel zum Musikhören. Wenn ich mir aber einen Titel wünschen könnte, würde ich «The River» von Bruce Springsteen wählen.

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