«Ich verstehe die Logik dieses Dreiertickets nicht ganz»

Die FDP-Fraktion tritt mit drei Kandidaten zur Bundeswahl an – die Reaktionen der anderen grossen Parteien zur Entscheidung in Neuenburg.

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SVP-Präsident Albert Rösti nimmt den Entscheid der FDP-Fraktion, mit drei Kandidaten zur Bundesratswahl anzutreten, gelassen zur Kenntnis. Offenbar habe die FDP kein Risiko eingehen wollen, sagte er am Freitagabend auf Anfrage. Dafür habe das Parlament nun eine echte Auswahl, was positiv sei.

Beschluss von Neuenburg: Ein Dreierticket. (Video: Tamedia)

Beim vorgelegten Dreierticket stelle sich allerdings die Frage, weshalb ausschliesslich Kandidaten aus der lateinischen Schweiz darauf zur Wahl stünden, sagte Rösti gegenüber der Nachrichtenagentur sda. «Ich verstehe die Logik dieses Dreiertickets nicht ganz.» Es gebe auch andere Schweizer Regionen, die nicht im Bundesrat vertreten seien – etwa die Ostschweiz. Entscheidend würden nun die Hearings sein. Denn diese stellten jeweils eine spezielle Situation dar, in der sich die Kandidaten und Kandidatinnen unter Umständen in einem neuen Licht zeigten.

Die Argumentation der Grünen

Die Grüne Partei zeigt sich erfreut über die Entscheidung der FDP-Fraktion, auch eine Frau ins Rennen um den freiwerdenden Bundesratssitz zu schicken. Sie hatte die FDP im Vorfeld ausdrücklich dazu aufgefordert, auch eine Frauenkandidatur zur Auswahl zu stellen. «Wir freuen uns, dass Isabelle Moret auf dem Ticket ist», sagte Nationalrätin Lisa Mazzone (GE). Bei gleichwertigen Kandidaturen werde die Grüne Partei der Waadtländerin den Vorzug geben.

Sie rief in Erinnerung, dass die Frauen und damit die Hälfte der Bevölkerung im Bundesrat stark untervertreten sei. Dies sei für eine Demokratie problematisch. Auf die Frage, ob die Wahl mit einem Zweierticket nicht einfacher ausgefallen wäre, mochte sich Mazzone nicht äussern. Sie begrüsste stattdessen die echte Auswahl, die dem Parlament präsentiert wird.

Fiala schwärmt von ihrer Parteikollegin

Die FDP-Frauen ihrerseits sind erfreut über das Dreierticket mit der Waadtländer Nationalrätin Isabelle Moret. Doris Fiala, Präsidentin der FDP-Frauen, lobte nach der Nominierung den Kampfgeist Morets. Isabelle Moret sei in den vergangenen Wochen besonders unter Druck gestanden, sagte die Zürcher Nationalrätin. Trotzdem habe sie am Freitag einen «brillianten Auftritt» gezeigt.

Das zeige, dass man Politiker nie zu früh abschreiben sollte, da diese einen grossen Kampfgeist entwickeln könnten. «Das hat Isabelle Moret heute gezeigt.» Fiala unterstrich zudem den Anspruch der FDP-Frauen. Dieser komme 28 Jahre nach dem Rücktritt von Elisabeth Kopp nicht zu früh, obwohl auch der Anspruch des Tessins legitim sei.

Erfolgreiche «Blitzkampagne»

Die Tessiner FDP zeigte sich erfreut über den Entscheid. Er vertraue auf den guten Stern des Tessiner Kandidaten Ignazio Cassis, sagte Bixio Caprara, Präsident der FDP Tessin, auf Anfrage.

Der Präsident der Genfer FDP hielt seinem Kandidaten Pierre Maudet zugute, dass er es dank einer sehr gelungenen «Blitz-Kampagne» innert kürzester Zeit geschafft habe, seine Bekanntheit zu steigern.

Vorentscheid wäre «unhöfllich»

Die SP wollte sich am Freitag noch nicht offiziell zum Bundesratsticket der FDP äussern. Die CVP teilte schriftlich mit, sie nehme vom FDP-Ticket Kenntnis und werde die Entscheide für eine allfällige Wahlempfehlung erst nach den Anhörungen der Kandidaten durch die eigene Fraktion fällen. «Bereits vor den Hearings eine Entscheidung zu treffen, wäre nicht sehr höflich», sagte CVP-Generalsekretärin Béatrice Wertli auf Anfrage.

Die Partei hielt in ihrer Medienmitteilung jedoch fest, der Anspruch der FDP auf zwei Sitze im Bundesrat sei «aufgrund der aktuellen Kräfteverhältnisse im Parlament» weiterhin gerechtfertigt.

Etwas andere Überlegungen machte sich unterdessen die Junioren-Partei der CVP: Sie schlug am Freitag den Tessiner CVP-Fraktionschef Filippo Lombardi als Bundesratskandidaten vor, um damit «einen weiteren Leerlauf in der schweizerischen Aussenpolitik zu verhindern». (fal/sda)

Erstellt: 01.09.2017, 20:16 Uhr

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