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«Ich hoffe, dass es so etwas in der Schweizer Politik erträgt»

GLP-Präsident Martin Bäumle hat seine Frau im Striplokal kennengelernt. Ein Problem für seine Karriere?

Sorgen für grosse Schlagzeilen im «Blick»: Martin Bäumle und seine Ehefrau.
Sorgen für grosse Schlagzeilen im «Blick»: Martin Bäumle und seine Ehefrau.

«Es funkte im Striplokal», titelt der «Blick» heute. Gefunkt hat es im Juni 2010 im Dübendorfer Lokal Viper Club zwischen Martin Bäumle, dem erfolgreichen Parteipräsidenten, und einer Tänzerin. «Ich hatte Lust, mit ihr zu plaudern», sagte er schon dem «SonntagsBlick», der das «ehrliche Liebesgeständnis» gestern publik machte. Der Rest der Geschichte ist hinlänglich bekannt: Vor wenigen Tagen heiratete der 47-jährige Dübendorfer seine Freundin aus der Ukraine.

Wäre Bäumle ein amerikanischer Politiker, würde die Striplokal-Geschichte ihm wohl ein Timeout des politischen Aufstiegs bescheren, wenn nicht sogar das Ende der Karriere bedeuten. Politikberater Mark Balsiger erinnert an ein «Rotlicht-Geständnis» eines anderen Schweizer Politikers: «Die politische Konkurrenz hatte sich damals gescheut, seine Geschichte auszuschlachten. Ganz anders wäre das in den USA oder Grossbritannien, wo das den Kandidaten in der Regel den Kopf kostet.»

Problematischer im katholischen Wallis

Wie sieht das in der Schweiz aus? Kann es den Karrierechancen schaden, wenn man mit dem Rotlichtmillieu in Verbindung gebracht wird. «Ich hoffe, dass es so etwas in der Schweizer Politik erträgt», sagt zum Beispiel Nationalrätin Silvia Schenker. Die Basler Sozialdemokratin hatte sich mit verschiedenen Vorstössen zum Schutz von Arbeiterinnen in Rotlicht-Establishments stark gemacht. Was Bäumles Karrierechancen betrifft, sagt Schenker: «Was für ihn gut ist, muss er selber wissen.»

Den Kopf kosten wird das Bäumle sicher nicht. «Im Moment wird darüber getuschelt, ob in der Politik oder in der Nachbarschaft. Aber nach ein paar Wochen wird davon nichts mehr hängen bleiben», so Balsiger. Trotzdem verweist der Politikberater auch auf die für den Politiker in dieser Sache vorteilhafte Herkunft: «Für Bäumle ist es einfacher, weil er aus einem liberalen und weltoffenen Kanton stammt. Wäre dasselbe beispielsweise im streng katholischen Wallis geschehen, sähe es anders aus.»

Nicht einmal bei EDU umstritten

Könnte er immer noch Bundesrat werden? «Die Bundesratsfrage stellt sich bei ihm nicht», winkt Balsiger ab, «wohl aber die Regierungsratsfrage». Tatsächlich hatte Bäumle noch im Herbst 2009 eine Kandidatur für die Zürcher Kantonsregierung erwogen, später dann aber einen Rückzieher gemacht. Nach der Wahl vom Frühling 2011 sprachen Beobachter davon, dass Bäumle – als auffälligster Kämpfer für den Atomausstieg – reelle Wahlchancen gehabt hätte.

Steht ihm nun die Rotlicht-Geschichte im Weg? «Würde er in drei Jahren kandidieren, hätte er vermutlich die religiösen Kreise um EVP und EDU gegen sich. Aber deswegen würde eine Wahl nicht scheitern», sagt Balsiger. Aber selbst der frühere EDU-Nationalrat Christian Waber gibt sich gelassen: «Das ist die persönliche Angelegenheit von Bäumle», so der Berner Politiker. Was diese Sache für die politische Karriere des Grünliberalen bedeutet, «entscheidet der Wähler und nicht ich».

Es bleibt kaum etwas hängen

Es scheint sich ein weiteres Mal zu bestätigen, dass hierzulande zwischen Persönlichem und Beruflichem sehr wohl unterschieden wird. «Die Schweizer Bevölkerung interessiert sich nur beschränkt für das Privatleben von Politikern oder anderen prominenten Personen», sagt dazu Balsiger. Auch Schenker glaubt nicht, dass etwas Negatives hängen bleibt: «Liebe geht ja bekanntlich unergründliche Wege.»

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