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Holenweger-Prozess: Tag zwei beginnt mit Eklat

Am zweiten Tag im Prozess gegen den Zürcher Privatbankier Oskar Holenweger wies der Gerichtsvorsitzende den Anklagevertreter in die Schranken: Er liess dessen Fragen an einen Zeugen nicht zu.

Verteidiger Lorenz Erni (rechts) beklagt, dass die Einsicht in die Ramos-Akte nicht gewährleistet ist. (11. April 2011)
Verteidiger Lorenz Erni (rechts) beklagt, dass die Einsicht in die Ramos-Akte nicht gewährleistet ist. (11. April 2011)
Keystone
Geht in die Offensive: Lienhard Ochsner, Vertreter der Anklage. (13. April 2011)
Geht in die Offensive: Lienhard Ochsner, Vertreter der Anklage. (13. April 2011)
Keystone
Der Prozess findet im Bundesstrafgericht in Bellinzona statt.
Der Prozess findet im Bundesstrafgericht in Bellinzona statt.
Keystone
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Am Morgen erschien vor Gericht zunächst ein früherer Staatsanwalt des Bundes als Zeuge. Er hatte 2003 das Ermittlungsverfahren der Bundesanwaltschaft (BA) gegen Holenweger in die Wege geleitet.

Laut seinen Angaben war dieser Schritt gestützt auf die Angaben der Bundeskriminalpolizei (BKP) erfolgt, wonach sich Holenweger als Drogengeldwäscher anbiete und Kontakt zum kolumbianischen Drogenbaron Pablo Escobar habe. Quelle dieser Informationen ist laut dem früheren BA-Mitarbeiter wohl Ramos gewesen.

Erstaunen beim Ankläger

Weiter erwähnte er ein Schreiben des früheren BKP-Leiters Erwin Beyeler (heute BA-Chef) an Valentin Roschacher als damaligem Leiter der BA, wonach die BKP in der Lage sei, Ramos als Vertrauensperson zu führen.

Zu einem kleinen Eklat kam es, als sich Lienhard Ochsner als Vertreter der Anklage mit seinen Fragen an den Zeugen wandte. Er wünschte von ihm zu wissen, in welchen anderen Fällen von Ramos gelieferte Informationen als Basis für die Einleitung von Ermittlungsverfahren gedient hätten.

Der Gerichtsvorsitzende Peter Popp liess die Frage mangels Relevanz für das Verfahren Holenweger indessen nicht zu. Ochsner drückte über diesen Entscheid sein Erstaunen aus. Immerhin ziele seine Frage darauf ab, die Vertrauenswürdigkeit von Ramos und die Verlässlichkeit der von ihm gelieferten Informationen zu klären.

Verzicht des Verteidigers

Erst gar keine Fragen stellen mochte Holenwegers Verteidiger Lorenz Erni. Da ihm keine Einsicht in die Ramos-Akten gewährt worden sei, könne er auch nicht beurteilen, welche Fragen zur Verteidigung seines Klienten notwendig wären. Weiter wurde ein Kommissariatsleiter der BKP befragt, der ins Verfahren Holenweger involviert war.

Die BA wirft Holenweger vor, als Drehscheibe für Bestechungszahlungen des französischen Industriekonzerns Alstom fungiert zu haben. Weiter soll er für den V-Mann Diemer 830'000 Euro angebliches Drogengeld entgegen genommen und gewaschen haben. Holenweger bestreitet die Vorwürfe.

Laut BA soll sich Holenweger der Urkundenfälschung, der Gehilfenschaft zu ungetreuer Geschäftsbesorgung, der qualifizierten Geldwäscherei und der Bestechung fremder Amtsträger schuldig gemacht haben. Der Prozess ist auf fünf Tage angesetzt. Das Urteil wird erst in den kommenden Wochen folgen.

SDA/bru

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