Hohe Zuwanderung lohnt sich auch langfristig

Nach den neusten Langfristperspektiven des Bundes ist es für die AHV, aber auch für die Bundesfinanzen ein Segen, wenn die Zahl der Einwanderer nicht zu stark zurückgeht.

Je mehr Erwerbstätige in die Schweiz ziehen, desto besser lässt sich die Überalterung im Lande verkraften.

Je mehr Erwerbstätige in die Schweiz ziehen, desto besser lässt sich die Überalterung im Lande verkraften.

(Bild: Keystone)

Fabian Schäfer@FabianSchaefer1

Zuerst die schlechte Nachricht: Die demografische Veränderung – weniger nett formuliert: die zunehmende Überalterung – wird die Schweiz finanziell auf allen Ebenen stressen, von den Sozialversicherungen wie der AHV über die Bundeskasse bis zu den Kantonen und den Gemeinden. Bestätigt wird dies in den «Langfristperspektiven der ­öffentlichen Haushalte» bis 2045, die die Finanzverwaltung des Bundes am Donnerstag veröffentlicht hat. In den nächsten 30 Jahren findet eine folgenschwere Scherenbewegung statt. Die Zahl der Senioren steigt mit der Pensionierung der Babyboomer stark an, während dahinter kleinere Jahrgänge nachrücken.

Noch gravierender als bei der AHV wirkt sich dies bei den Kosten der Langzeitpflege und des Gesundheitswesens aus. Da diese primär von Kantonen und Gemeinden getragen werden, haben sie die schwersten Zusatzlasten zu schultern. Dazu kommt, dass im Unterschied zur AHV, wo das Parlament immerhin bereits über eine Revision diskutiert, im Pflege- und Gesundheits­bereich keine konkreten Lösungsvorschläge auf dem Tisch liegen, die zeigen, wie das Kostenwachstum am besten aufgefangen wird. So oder so wird die Staatsquote – der Anteil der öffentlichen Ausgaben an der Wirtschaftsleistung – stark steigen, gemäss den Annahmen des Berichts von heute rund 32 auf 36 Prozent im Jahr 2045.

Nun aber die gute Nachricht: Die Schweiz ist für diese Herausforderung re­lativ gut gewappnet, vor allem im Vergleich mit anderen Ländern. Und noch etwas: Zwar wird die Last der Steuern und der Abgaben für alle unweigerlich ansteigen. Das heisst aber nicht zwingend, dass die verfügbaren Einkommen sinken. Im Gegenteil, mit den Annahmen im Bericht steigen diese weiter an.

Wie es genau herauskommt, weiss naturgemäss niemand. Wenig überraschend ist, dass viel von der Wirtschaftsentwicklung abhängt. Der neue Bericht zeigt jedoch, welch wesentliche Rolle auch die – politisch heiss umkämpfte – Zuwanderung spielt. Da Einwanderer zumeist unter 35 Jahre alt sind, stärken sie den Anteil der Erwerbs­tätigen gegenüber den Pensionierten. Falls es sich dabei um erwerbstätige Zuzüger handelt, profitieren alle drei Staatsebenen, am stärksten aber die AHV. Einwanderer, die in den nächsten Jahrzehnten zuziehen, helfen mit, die aussergewöhnlich starke Rentnervermehrung zu finanzieren, die bereits eingesetzt hat.

Berner Zeitung

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