Highway to hell

Man wirft ja Politikerinnen und Politikern gerne vor, sie klebten an ihren Ämtern, weil sie von der perfiden Sucht nach Aufmerksamkeit und Aufregung nicht loskommen...

Jürg Steiner@Guegi

Ich gestehe: Es geht mir genauso! Schon jetzt erfasst mich ein klammes Gefühl der Leere, wenn ich daran denke, dass der Wahlkampf in zwei Wochen vorbei ist. Dieser Cocktail an ungewolltem Wahnsinn, gnadenloser Selbstentblössung, schäumendem Ehrgeiz im ganzen Land – I love! Nie werden menschliche Antriebskräfte unterhaltsamer freigelegt.

«Highway to hell», schreit die Rockband AC/DC seit Jahrzehnten durch die Welt. Sie bringt für mich auf den Punkt, welch teuflischem Sog Politiker ausgesetzt sind: «Ich brauche keinen Grund für das, was ich mache, niemand kann mich aufhalten», singen AC/DC – einen treffenderen Kampagnen-Soundtrack für die selbstbezogene Welt der Politik habe ich nie gehört.

Etwa für Jacques Neirynck, der mit schlappen 84 Jahren Bern noch einmal rocken will. Obschon ihn die CVP Waadt auf eine Seniorenliste outgesourct hat, für die er auch schon zu alt ist, baut Neirynck auf den Methusalem-Effekt und will um jeden Preis im Parlament bleiben.

Noch mehr AC/DC-Groove hat Daniel Brélaz drauf, seit Menschengedenken Stadtpräsident von Lausanne mit schon zwei beendeten Karrieren als Nationalrat. Virtuos managt der grüne Workaholic das imposante Wachstum des Grossraums Lausanne und die ebenso imposanten Schwankungen seines Körpergewichts. 2013 startete der damals über 170 Kilo schwere Brélaz eine medizinisch und medial minutiös begleitete Diät.

Als er die 100-Kilogramm-Marke knackte, gab es besorgte Headlines. «Brélaz remange de la Fondue» wurde öffentlich entwarnt, als klar war, dass sich «der Koloss von Lausanne» doch nicht in Luft auflöst. Jetzt wirft der Saftranzen sein politisches Gewicht in die Arena. Aus Angst vor einer Niederlage haben ihn die Waadtländer Grünen, die Brélaz vor vier Jahren noch von der Liste gemobbt hatten, reaktiviert.

Und werden ihn vermutlich nie mehr los.Er ist auf seinem Highway to hell. Nach Bern.

Berner Zeitung

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