Hegglin fordert Amherd heraus

Das CVP-Bundesratsticket nimmt Konturen an – der Zuger Peter Hegglin tritt an.

Ständerat und Alt-Regierungsrat Peter Hegglin kann sich reale Chancen ausrechnen. Foto: Keystone

Ständerat und Alt-Regierungsrat Peter Hegglin kann sich reale Chancen ausrechnen. Foto: Keystone

Denis von Burg@sonntagszeitung
Mischa Aebi@sonntagszeitung

Mitte nächster Woche wird die CVP ihren ersten Bundesratskandidaten haben. Der Zuger Ständerat und Alt-Regierungsrat Peter Hegglin wird seine Kandidatur für die Nachfolge von Doris Leuthard bekannt geben. Gemäss Informationen aus der Zuger Parteispitze hat er der Partei bereits seine Bereitschaft für eine Kandidatur mitgeteilt. Jetzt fehlt nur noch die Nomination durch die Parteispitze.

Diese ist Formsache. Denn die Zuger CVP weiss, dass Hegglin gute Chancen hat, als einer der offiziellen CVP-Kandidaten aufgestellt zu werden. Die CVP wird höchstwahrscheinlich einen Zweiervorschlag mit einem Mann und einer Frau präsentieren. Und Hegglin ist aus jenem Holz geschnitzt, aus dem sich die CVP derzeit Kandidaten für den Männerplatz auf dem Wahlticket wünscht. «Hegglin kann gegen jede Männerkonkurrenz bestehen», ist die weit verbreitete Einschätzung in der CVP-Deputation im Bundeshaus. Als Innerschweizer kommt er aus dem CVP-Kerngebiet, wo seine Partei aus wahlstrategischen Überlegungen gerne einen Bundesrat hätte. Als Ständerat und ehemaliger Finanzdirektor vereint er nationale Politkompetenz und Exekutiverfahrung. Das, so heisst es, wiege auf, dass er im Ständerat bisher ziemlich unauffällig geblieben ist.

Als Konkurrenten könnten sich ihm der profilierte St. Galler Finanzdirektor Benedikt Würth – ihm fehlt aber die nationale Erfahrung – und der Obwaldner Ständerat Erich Ettlin – er ist nicht profilierter und kann sich über keinerlei Regierungserfahrung ausweisen – entgegenstellen.

Viola Amherd ist noch nicht abgemeldet

Ob sich Hegglin dann auch in der Bundesversammlung durchsetzen kann, ist offen. Stand heute spricht vieles dafür, dass die CVP mit der Walliser Nationalrätin Viola Amherd als zweiter Kandidatin antreten wird. In der CVP geht man immer noch davon aus, dass sich Amherd für den Frauenplatz bewerben wird. Sie hatte ihre Kandidatur schon am Freitag bekannt geben wollen. Nachdem ihr der «Walliser Bote» einen Rechtsstreit um zu viel eingezogene Miete vorgehalten hatte, vertagte sie ihren Entscheid auf Mittwoch.

Die Affäre scheint Amherd aber nicht zu schaden. Die Reihen haben sich im Wallis hinter ihr rasch geschlossen. Die CVP Oberwallis hat sich demonstrativ hinter sie gestellt. Selbst der betont konservative Ständerat Beat Rieder, politischer Gegner der im Wallis manchen zu liberalen Amherd, empfiehlt sie überraschenderweise als Bundesratskandidatin. «Eine Kandidatur von Viola Amherd stellt eine einmalige Chance dar», sagt Rieder.

Dabei dürften Amherd nicht nur regionalpolitische, sondern auch parteistrategische Überlegungen in die Hände spielen: Wird sie Bundesrätin, rutscht Rieders Anwaltsbüropartner Philipp Matthias Bregy in den Nationalrat nach. Dann hätten die Konservativen in der CVP nicht nur die zu liberale Amherd in den Bundesrat wegbefördert, sondern mit Bregy würde auch der konservative Flügel im Parlament gestärkt. Neben Amherd dürfte nächste Woche auch die Basler Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter ihre Kandidatur bekannt geben. Ihr werden aber kaum Chancen eingeräumt.

Frauen-Allianz gegen Rechts-Allianz

Gegen Amherd hätte Hegglin dann eine Chance, wenn FDP, SVP und der Wirtschaftsflügel der CVP zusammenspannen, um einen betont bürgerlich politisierenden CVPler zu wählen. Umgekehrt kann Amherd darauf hoffen, dass sich eine Allianz aus SP, Grünen, Mitteparteien, Teilen von CVP und bürgerlichen Frauen verständigt, eine dritte Frau in den Bundesrat zu wählen. Letzteres ist nicht ausgeschlossen. Die Linke zeigt Sympathien für Amherd. Inzwischen sagt aber auch FDP-Frauen-Präsidentin und Zürcher Nationalrätin Doris Fiala: «Frau Amherd wäre eine gute Kandidatin. Wer sich im konservativen Wallis für liberale Werte einsetzt, könnte auch für FDP-Frauen eine Option sein.»

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