Zum Hauptinhalt springen

Hayeks Brief und Bangas Eigentor

Kurz vor der Stichwahl um das Grenchner Stadtpräsidium zittert Boris Banga um sein Amt. Die «Solothurner Zeitung» zitiert genüsslich aus einem Brief, der nie für die Öffentlichkeit bestimmt war.

Knatsch wegen Hayek-Brief: Der Stadtpräsident von Grenchen, Boris Banga, während der Delegiertenversammlung der Grünen in Grenchen. (19. Januar 2013)
Knatsch wegen Hayek-Brief: Der Stadtpräsident von Grenchen, Boris Banga, während der Delegiertenversammlung der Grünen in Grenchen. (19. Januar 2013)
Lukas Lehmann, Keystone

Am 22. September wird in Grenchen ein neuer Stadtpräsident gewählt. Jetzt spielt eine mediale Posse dem bürgerlichen Herausforderer François Scheidegger (FDP) in die Hände, die der amtierende Stadtpräsidenten Boris Banga (SP) wohl selber zu verantworten hat.

In diesem Frühjahr hatte Banga den Swatch-Chef Nick Hayek um ein Empfehlungsschreiben für seinen Wahlprospekt gebeten. Hayek antwortete im April: «Es ist eine lange Tradition in der Swatch Group, dass wir uns nicht in die Parteipolitik einmischen.» Trotzdem sagte Hayek dem Stadtpräsidenten Unterstützung zu. «Sie wissen, dass ich Sie und Ihre wertvolle Arbeit, die Sie leisten, sehr schätze.» Sollte ihn ein Journalist fragen, werde er Banga als den besten Stadtpräsidenten loben.

«Eine massive Überforderung Boris Bangas»

Vergangene Woche bat tatsächlich ein Journalist der «Solothurner Zeitung» um eine Stellungnahme, doch Hayek schwieg. Umgehend landete der persönliche Brief von Hayek auf der Redaktion – und dessen Inhalt in den Zeitungen, die zum Verbund der «Nordwestschweiz» gehören.

Nun dreht die Geschichte weiter ihre Kreise und sorgt seit drei Tagen für immer neue Episoden. Heute Freitag wird quer durchs Land auch Hayek zitiert, dessen Worte in Grenchen viel Gewicht haben: «Die Zuspielung dieses Briefes deutet auf eine äusserst unseriöse Art und Weise der Machterhaltung des Grenchner Stadtpräsidenten hin. Für mich bedeutet es im besten Fall eine massive Überforderung Boris Bangas in seinem Amt.»

Banga selbst bestreitet gegenüber der «Solothurner Zeitung», den Brief der Redaktion zugespielt zu haben, doch er werde nun dafür geradestehen. «Ich werde mich bei ihm noch gebührend entschuldigen», verspricht der seit 22 Jahren amtierende Stadtpräsident. Falls er sein Amt in 16 Tagen verliert, wird er sich wünschen, diesen Brief besser verwahrt zu haben.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch