Grüne Gentechnik hat besseres Image verdient

Redaktorin Brigitte Walser zur Gentechnik im Pflanzenbereich.

Die Apfelbäumchen sah man gleich als Erste beim Eingang des streng bewachten Feldes am Rande von Zürich. Was man ihnen nicht ansah: Die Bäumchen der Sorte Gala Galaxy haben ein Gen eines Wildapfels in sich. Das Gen soll die Bäume vor Feuerbrand schützen. Man hätte solche Bäume auch auf herkömmliche Weise heranzüchten können, erklärten die Wissenschaftler den Besuchern. Doch das hätte Jahrzehnte gedauert. Die Fachleute haben deshalb das Gen mithilfe der Gentechnik eingesetzt. Das macht die Bäume so speziell, dass sie ­bewacht werden und nur zu Forschungszwecken und unter einem Netz wachsen dürfen.

Im Parlament sind gentechnisch veränderte Pflanzen – also die sogenannte grüne Gentechnik – derzeit wieder ein Thema. Gestern hat sich der Nationalrat über das Gentechnikgesetz gebeugt. Den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen zu Forschungszwecken erlaubt das Par­lament weiterhin, es hat aber noch nicht alle Punkte geklärt.

Bereits beschlossen hat es, dass der kommerzielle Anbau in der Schweiz verboten bleiben soll. Der Ständerat und der Nationalrat haben damit das seit 2005 bestehende Moratorium ein drittes Mal verlängert, diesmal bis 2021. Dieser Entscheid ist nachvollziehbar. Eine Regelung über Anbauflächen von gentechnisch veränderten Pflanzen mag noch zu kompliziert sein, und die Schweiz handelt sich mit dem Gentechverzicht wohl derzeit keine Nachteile ein.

Nicht nachvollziehbar ist aber die grosse Skepsis, die der grünen Gentechnik an sich entgegengebracht wird, sei dies in der Bevölkerung oder im Parlament. In der Medizin stossen gentechnische Verfahren für die Herstellung von Medikamenten oder für Therapien auf Akzeptanz, und ihre Resultate werden als Erfolg gefeiert. In der Landwirtschaft hingegen ernten sie seltsamerweise oft von vornherein Kritik. Gerne assoziiert man sie allzu schnell direkt mit grossflächigen Monokulturen oder Abhängigkeiten von Agrochemiekonzernen und lehnt sie deshalb ab. Die eigentlichen Verfahren und ihre Möglichkeiten haben es deshalb schwer, Eingang in die Debatte zu finden.

Eingriffe in die Natur bergen Risiken. Ein nationales Forschungsprogramm hat sich mit Risiken der grünen Gentechnik befasst und dazu auch Forschungsresultate aus dem Ausland analysiert. Aufgrund der Ergebnisse hielten die Fachleute in ihrem Fazit fest, dass die Risiken im gleichen Rahmen liegen wie bei der herkömmlichen Pflanzenzüchtung.

Gegen Feuerbrand hat man in vergangenen Jahren Antibiotika eingesetzt, teilweise musste im Anschluss Honig vernichtet werden, da er Rückstände enthielt. Weil der übermässige Gebrauch von Antibiotika in der Medizin und in der Landwirtschaft deren Wirkung beeinträchtigt, wird zum massvollen Einsatz aufgerufen. Wie lange ist da noch Opposition gegen Apfelsorten angebracht, die dank Gentechnik und dem Gen eines Wildapfels ohne Antibiotika gegen Feuerbrand bestehen können?

Mail:brigitte.walser@bernerzeitung.ch

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