«Grüezi Deutschland» – trotz Annahme der SVP-Initiative

Tourismusbranche

Schweiz Tourismus hält trotz den negativen Reaktionen zum Abstimmungsresultat an seiner Kampagne in Deutschland fest. Man will das auf «sympathische und humorvolle Art» tun.

Schweiz Tourismus will deutsche Kundschaft zurückerobern: Wegweiser auf dem Schilthorn in Mürren im Berner Oberland. (6. August 2013)

Schweiz Tourismus will deutsche Kundschaft zurückerobern: Wegweiser auf dem Schilthorn in Mürren im Berner Oberland. (6. August 2013)

(Bild: Keystone Christian Beutler)

Markus Brotschi

Vor einem Monat kündete Schweiz Tourismus für 2014 und 2015 eine millionenteure Kampagne in Deutschland an. Unter dem Motto «Grüezi Deutschland» versucht die nationale Tourismusorganisation, jene deutsche Kundschaft zurückzuerobern, die der Schweiz seit der Finanzkrise von 2008 abhanden gekommen ist. Obwohl Medien und Politiker im Nachbarland zum Teil harsch auf das Ja zur Masseneinwanderungs-Initiative reagierten, sehen die Tourismusvermarkter den Reaktionen der Kundschaft relativ gelassen entgegen. «Wir sehen keinen Anlass, die Marktbearbeitung in Deutschland aufgrund des Abstimmungsresultats zu ändern», sagt Schweiz-Tourismus-Direktor Jürg Schmid. Mit der neuen Kampagne solle der deutschen Kundschaft auf «sympathische und humorvolle Art» ihre schönsten Schweizer Ferienerlebnisse in Erinnerung gerufen werden.

Politische Entscheidungen hätten kaum Einfluss auf die Auswahl der Feriendestination, sagt Schmid. «Entscheidend bleibt die Erlebnisattraktivität.» Auch in anderen europäischen Ländern sei nicht geplant, mit einer Kampagne auf das Ja zur Initiative zu reagieren. Dass sich Touristen nicht an politischen Entwicklungen orientierten, habe sich in Italien gezeigt, wo die Reisenden sich nicht durch Berlusconi hätten abhalten lassen. Erst wenn sich in einem Land fundamentale Fakten änderten, die Sicherheit nicht mehr gewährleistet scheine, blieben die Gäste fern. Dies zeige sich in Ägypten.

Unterschiedliche Wahrnehmung

Auch aus den einzelnen Tourismusregionen tönt es ähnlich. Harry John, Direktor der Berner Tourismus-Organisation, zeigt sich erstaunt, wie wenig negative Reaktionen ihm nach der Volksabstimmung zu Ohren gekommen sind. Falsch wäre es, mit einer Marketingkampagne auf die Abstimmung zu reagieren. «Wir sollten den Ball flach halten.» John wird sich in den nächsten zwei Wochen in Berlin aufhalten und sich mit Medienvertretern und Reiseveranstaltern treffen. Werde er auf die Abstimmung angesprochen, werde er das Abstimmungsresultat «pragmatisch erklären». Damian Constantin, Geschäftsführer der Walliser Tourismusorganisation, geht davon aus, dass der Volksentscheid bei den deutschen Gästen differenziert wahrgenommen wird. Von negativen Reaktionen habe er bisher keine Kenntnis.

Weniger optimistisch ist Barbara Gisi, Direktorin des Schweizer Tourismus-Verbandes (STV). Der STV nimmt die politische Interessenvertretung der Branche wahr. Gisi sieht das Image der Schweiz angeschlagen. Ihr hätten mehreren Touristen aus Deutschland und Österreich gesagt, sie reisten nicht mehr in ein Land, in dem sie als Arbeitskräfte nicht willkommen wären. Eine weitere Gefahr sieht Gisi im möglichen Verlust des Schengen-Abkommens für den Fall, dass das Personenfreizügigkeitsabkommen gekündigt wird. Heute würden viele Touristen aus Asien auf ihrer Europatour in die Schweiz kommen, weil das Schengenvisum sowohl für die EU wie die Schweiz gelte. Wie viele dieser Touristen noch kämen, wenn sie ein separates Visum brauchten, sei offen. Auch Jürg Schmid hält den Verbleib im Schengenraum für zentral. Mit einem Austritt aus Schengen entstünde «eine touristische Handelshürde».

Tages-Anzeiger

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