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Geheime Bunker werden geöffnet

Sie waren lange geheim, jetzt sollen sie dem Publikum geöffnet werden: Befestigungsanlagen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs und des Kalten Kriegs. Der Kanton Baselland hat dazu sechs ausgewählte Bunker erworben.

Die Befestigungswerke seien von nationaler Bedeutung, hiess es bei einer symbolischen Schlüsselübergabe am Freitag beim Schloss Angenstein. Der Kanton hat sie vom bundeseigenen Rüstungsbetrieb armasuisse übernommen und will sie für die Nachwelt erhalten. Betrieben werden sollen sie von zwei Militärvereinigungen.

Teil eines Abwehrsystems

Die Sperrstelle Angenstein am Zugang zum Laufental mit einem Infanteriebunker beim Schloss und einem zweiten vis-à-vis am Muggenberg gehört zu den ausgewählten Anlagen. Weiter zählen ein Bunker bei der Hülftenschanz in Füllinsdorf und eine Sperre im Homburgertal mit Bunkern im Gebiet «In der Weid» in Rümlingen und am Barmenrain in Wittinsburg dazu.

Mit dabei ist auch ein Artilleriebeobachtungsposten in der Ruine Farnsburg in Ormalingen. Alle Befestigungen waren Teil der ab 1938 gebauten «Pestalozzi-Linie», benannt nach dem damaligen Genie-Chef der 4. Division: Die Linie zog sich vom Rhein bei Mumpf AG zum Angenstein und gehörte zu einem etwa 30 Kilometer ins Land hinein gestaffelten Verteidigungssystem.

Das System bestand aus Befestigungen am Rand des Tafeljuras und vielen Sperren in den Juratälern. Im Westen gabs zudem eine geheime Militärabsprache mit Frankreich, gemäss der bei einem Angriff durch die deutsche Wehrmacht die französische Armee ins Leimental und aufs Gempen-Plateau vorgedrungen wäre.

Als Scheune oder Schopf getarnt

Die im Weltkrieg ausgebauten Anlagen wurden im Kalten Krieg weiter betrieben. Mit der Armeereform der 1990er-Jahre wurde das Netz der Kampfbauten aber ausgemustert. Bis dahin waren die Bunker geheim, wie Bau- und Umweltschutzdirektor Jörg Krähenbühl sagte; nur Wehrmänner, die dort Dienst leisteten, wussten davon.

Von aussen waren einige der Bunker zudem kaum zu erkennen: Der Bunker am Angenstein wurde nach dem Zweiten Weltkrieg mit aufgemalten Fassadenattrappen wie ein Schlossanbau gestaltet, jene bei der Hülftenschanz und in Rümlingen sehen aus wie Feldscheunen - zog man aber die Tarnplanen weg, waren die Bunker kampfbereit.

Der Bunker am Angenstein war mit 24 Mann besetzt, wie weiter zu erfahren war. Über eine durch Panzertüren gesicherte Treppe kann man zudem in den Eisenbahntunnel unter dem Schloss gelangen. Daneben umfasste die Sperrstelle weitere, von zusätzlichen Truppen gesicherte Bunker und Unterstände sowie Panzerhindernisse.

Gegen 800 Befestigungswerke

Laut Sicherheitsdirektorin Sabine Pegoraro gibt es im Baselbiet gegen 800 solche Bunker, Munitionsmagazine, Hindernisse und Ähnliches. Die sechs ausgewählten Anlagen sollen Schülern und Studierenden, aber auch andern Interessierten zugänglich werden. In den Erhalt will der Kanton in den nächsten fünf Jahren 150 000 Franken investieren.

Den Betrieb und Unterhalt im Innern besorgen am Angenstein die Offiziersgesellschaft beider Basel und bei den andern Anlagen die Infanterievereinigung Baselland. Von der armasuisse gekauft hat der Kanton die Anlagen für einen «bescheidenen Pro-Memoria-Betrag», wie Gerhard Läuchli, Leiter des Amts für Liegenschaftsverkehr des Kantons, sagte.

Laut Ernst Germann von armasuisse hat der Bundesbetrieb in den vergangenen 17 Jahren in der Schweiz 2400 ausgediente militärische Einrichtungen an Stiftungen, Vereine und Private veräussert. Heute umfasse der Gesamtbestand noch rund 25 000 Anlagen.

SDA/dw

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