Frontalangriff auf die SBB

BLS-Chef Bernard Guillelmon fehlt Geld. Er greift die Vormachtstellung der SBB an und verlangt massive Veränderungen im Schweizer ÖV-System. Die SBB wollen ihrerseits offenbar das Pensionsalter erhöhen.

Die Gewinne aus dem SBB-Fernverkehr sollen für die gesamte ÖV-Finanzierung benutzt werden, fordert Guillelmon: BLS-Chef Bernard Guillelmon (l.) und SBB-Chef Andreas Meyer in einer Bilder-Collage. (Keystone)

Die Gewinne aus dem SBB-Fernverkehr sollen für die gesamte ÖV-Finanzierung benutzt werden, fordert Guillelmon: BLS-Chef Bernard Guillelmon (l.) und SBB-Chef Andreas Meyer in einer Bilder-Collage. (Keystone)

Die Luft wird immer dünner für die Regionalbahnen. Ihnen fehlt Geld. BLS-Chef Bernard Guillelmon ortet eine Bevorteilung der SBB und «Diskriminierungspotenziale» gegenüber den Regionalbahnen.

Deshalb fordert er in der «SonntagsZeitung», dass auch die Regionalbahnen auf attraktiven Strecken Gewinne machen dürfen. Bis jetzt sind Gewinne nur im SBB-Fernverkehr erlaubt. Zudem seien die Gewinne aus dem SBB-Fernverkehr für die gesamte ÖV-Finanzierung zu verwenden.

Trassenplanung und Billettverkauf

Der BLS-Chef will auch, dass Wettbewerbsverzerrungen zugunsten der SBB bekämpft werden. Er verlangt deshalb, dass die Trassenplanung, also die Planung für die Benutzung des Schienensystems, nicht mehr von den SBB, sondern von einer unabhängigen Stelle gemacht wird. «Wir verlangen, dass die Trassenvergabestelle nicht nur formal, sondern wirklich unabhängig wird», sagt Guillelmon.

Überhaupt will er, dass strategische Funktionen im Bahnsystem wie das Ticketing aus den SBB in unabhängige Unternehmen überführt werden. Schliesslich soll nach dem Willen des BLS-Chefs eine Behörde geschaffen werden, die über das Funktionieren des Wettbewerbs im öffentlichen Verkehr wacht, eine «ÖV-Weko», wie Guillelmon sagt.

SBB wollen Rentenalter 67 anbieten

Die SBB spielen ihrerseits flexiblere Arbeitszeitmodelle durch. Ein internes Papier der Bundesbahnen zeige, dass sie das Rentenalter auf 67 Jahre erhöhen wollten, berichtet der «SonntagsBlick». Die Mitarbeiter sollen demnach vor 65 ihr Pensum senken und danach reduziert bis 67 weiterarbeiten. Finanziell sollen sie in etwa gleich gut fahren wie bei der ordentlichen Pensionierung, versprechen die SBB.

Sprecher Christoph Rytz betont jedoch, dass die angedachten Änderungen der Arbeitszeitmodelle auf freiwilliger Basis erfolgten. Das bisherige Rentenalter werde «nicht aufgeweicht». Wer länger arbeiten wolle, solle dies tun können. Laut dem «SonntagsBlick» sieht das SBB-Papier für Berufe mit harter körperlicher Arbeit auch die Möglichkeit von Frühpensionierungen vor.

Bei den Gewerkschaften stösst der Vorschlag dennoch auf Widerstand: «Pensionsalter 65 bleibt für uns die Schamgrenze, über die wir nicht hinausgehen», sagt Peter Moor, Sprecher der mächtigen Eisenbahnergewerkschaft SEV. Die heutige Regelung sei im Gesamtarbeitsvertrag mit den SBB festgeschrieben. Er gilt noch bis Ende 2014.

rub

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