Frauen beziehen fast 24 Jahre lang Rente

Die Lebenserwartung erreicht neue Rekordwerte. Die Babyboomer, die nun in Pension gehen, werden so lange Renten beziehen wie keine Generation zuvor. Zugleich sind sie sehr zahlreich und hatten weniger Kinder. Alles zusammen stresst die AHV.

Wegen einer höheren Lebenserwartung und des tieferen Rentenalters beziehen Frauen durchschnittlich länger Renten als Männer.

Wegen einer höheren Lebenserwartung und des tieferen Rentenalters beziehen Frauen durchschnittlich länger Renten als Männer.

(Bild: Keystone)

Fabian Schäfer@FabianSchaefer1

Wir leben immer länger. Das ist schön. Aber weil wir nicht länger arbeiten, sondern das Rentenalter bisher unverändert liessen, ist das auch ein Stress für AHV und Pensionskassen.

So ist die steigende Lebenserwartung einer der Gründe für die Rentenreform, über die wir am 24. September abstimmen. Sie umfasst unter anderem die Erhöhung des Rentenalters der Frauen von 64 auf 65 Jahre. Jenes der Männer bleibt bei 65. Die Erhöhung des Rentenalters auf 67 Jahre war im Parlament chancenlos.

Die neuste Statistik des Bundes zur Bevölkerungsentwicklung 2016 liefert dazu frische Zahlen. Sie zeigt, dass die Lebenserwartung weiter gestiegen ist. Sie liegt nunmehr bei 85 Jahren für Frauen und 81 Jahren für Männer. Das sind neue Rekordwerte. Damit ist klar, dass der leichte Rückgang der Lebenserwartung 2015, der primär auf die Grippewelle und den Hitze­sommer dieses Jahres zurückzu­führen war, keine Trendwende eingeläutet hat.

Das Geld muss länger reichen

Für die Rentenreform ist primär wichtig, wie hoch die restliche Lebenserwartung der 65-Jährigen ist. Sie entscheidet darüber, wie viel Geld AHV und Pensions­kassen brauchen, damit die frisch Pensionierten die ihnen zustehenden Renten garantiert bis ans Lebensende erhalten. Dieser Finanzbedarf ist stark gestiegen, vorab bei den Männern: Sie beziehen ihre Renten heute im Durchschnitt 20 Jahre lang, 5,5 Jahre länger als 1980.

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Die Frauen werden aber immer noch älter als die Männer, was zumindest nicht gegen die Angleichung ihres Rentenalters spricht. Allerdings hat sich dieser Vorsprung in den letzten Jahren deutlich verkleinert. 65-jährige Frauen leben heute im Durchschnitt noch 22,6 Jahre. Rechnet man ihr (zurzeit noch) tieferes Rentenalter ein, be­ziehen sie somit 23,6 Jahre lang – ein Viertel ihres ganzen ­Lebens – Rente. Das sind satte 10 Jahre mehr als bei der Einführung der AHV 1948.

Damals lag das Rentenalter der Frauen ebenfalls bei 65 Jahren, und ihre Lebenserwartung nach der Pensionierung betrug knapp 13 Jahre. Doch auch die AHV-Bezugsdauer der Männer hat sich in dieser Zeit wacker ausgedehnt: von 12 auf 20 Jahre.

Schwer verdaulicher Cocktail

Lange konnte die AHV die zunehmende Lebenserwartung gut auffangen. Doch 2014 ist ihr Umlageergebnis ins Negative gekippt, und nun drohen wachsende Milliardendefizite. Das liegt nicht nur an der steigenden Lebenserwartung. Schwerer wiegt, dass in den nächsten 20 Jahren die «Baby­boomer», die bisher kräftig Bei­träge bezahlt haben, in Rente gehen. Sie sind sehr zahlreich, hinterlassen viel weniger Kinder (sprich: AHV-Beitragszahler) als ihre Eltern und werden deutlich länger leben – ein schwerverdaulicher Cocktail für die AHV.

Um ihn zu verdauen, erhielte sie mit der Rentenreform jährliche Mehreinnahmen von 4,5 Milliarden Franken (Stand 2030). Doch auch das reicht nicht: Sogar mit Reform weist die AHV 2030 schon wieder ein negatives Umlage­ergebnis von 2,9 Milliarden Franken aus.

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