Zum Hauptinhalt springen

Ferkel werden vor Kastration künftig narkotisiert

Ab dem 1.Januar 2010 verbietet das Tierschutzgesetz die Kastration von Ferkeln ohne Schmerzausschaltung. Künftig werden die meisten vor dem Eingriff narkotisiert. Weniger Akzeptanz findet das Impfen gegen den Ebergeruch.

Schnauze rein und tief einatmen. In kurzer Zeit verlieren die Ferkel schmerzlos ihre Männlichkeit.
Schnauze rein und tief einatmen. In kurzer Zeit verlieren die Ferkel schmerzlos ihre Männlichkeit.
Hanspeter Flückiger/zvg

Gut 3500 Schweinezüchter produzieren in der Schweiz jährlich 2,6 Millionen Ferkel. Naturgegeben sind die eine Hälfte für die Fleischproduktion unproblematische Weibchen, die anderen 50 Prozent Männchen und somit potenzielle «Stinker».

Laut Peter Spring von der Schweizerischen Fachschule für Landwirtschaft (SHL) in Zollikofen entwickeln je nach Rasse und Produktionssystem fünf bis 20 Prozent der männlichen Tiere Ebergeruch, der sich beim Kochen des Fleisches freisetzt und von den Konsumenten nicht goutiert wird. Um diesen auszuschalten, war es bisher üblich, die männlichen Ferkel in den ersten 14 Tagen zu kastrieren. Die Praxis, dies bei vollem Bewusstsein der Ferkel zu tun, findet jetzt ein Ende. Ab dem 1.Januar 2010 müssen die Ferkel vor dem chirurgischen Eingriff betäubt werden (siehe Bild). Als Alternativen bieten sich die Impfung zur Kontrolle des Ebergeruchs und die Ebermast an. Beide Varianten sind aus unterschiedlichen Gründen in der Schweiz noch wenig verbreitet.

Nach der Änderung des Tierschutzgesetzes durch das Parlament, setzten sich die Produzentenorganisationen, die Grossverteiler und die zuständigen Bundesstellen unter der Regie der SHL im Projekt «Pro Schwein» mit der neuen Situation auseinander und prüften Alternativen.

Migros will keine Impfungen

Gute Noten bekam dabei die Impfung gegen den Ebergeruch. Diese wird seit Jahren in mehreren Ländern an Millionen Mastschweinen erfolgreich eingesetzt, ist einfach in der Handhabung und für Spring die tierschonendste Methode. Die männlichen Mastschweine erhalten einige Wochen vor der Schlachtung zwei Impfspritzen, welche die Geschlechtsreife verzögern und den Ebergeruch so zuverlässig unterdrücken. Doch die Impfung stösst in der Schweiz wegen der weit verbreiteten «Impfskepsis» auf Widerstand. Der Detailhändler Migros wird kein Fleisch von geimpften Schweinen verkaufen, und Coop akzeptiert es nur für das Naturafarm-Label.

Als vorerst einsetzbare Methode bleibt die Kastration unter Narkose. Dazu können die Züchter ein Inhalationsgerät anschaffen, mit welchen sie nach dem Besuch einer Schulung die Schmerzausschaltung und Kastration selbst vornehmen können. Die Inhalationsnarkose ist für die Schweinezüchter aber mit erheblichen Investitionen verbunden und dürfte sich nicht für jeden Betrieb gleich gut eignen. Zudem deuten gemäss Einschätzung von Fachleuten in der EU die Zeichen mittelfristig auf ein Verbot der chirurgischen Kastration hin.

Ebermast als Lösung

Gemäss Spring sieht auf längere Sicht die ganze Branche die Jungebermast als beste Lösung. Dabei dürfen die männlichen Ferkel ihre Hoden behalten, die Tiere werden allerdings so gemästet, dass sie bereits vor der Geschlechtsreife geschlachtet werden können. Die jungen Eber werden also geschlachtet, bevor sie zu stinken beginnen.

Ein Nachteil bleibt allerdings: Nicht alle Jungeber sind frei von Ebergeruch. Im Schlachthof muss daher das Fleisch von geruchsarmen Tieren von solchem von «Stinkern» unterschieden werden.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch