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Falscher Jodtabletten-Brief

Was wirkt besser gegen nukleare Risiken, Jodtabletten oder die AKW-Stilllegung? Eine Million Briefe von Greenpeace geben Auskunft – und sie wirken täuschend echt.

Philipp Loser

Der Absender stimmt, das Layout, der Duktus: Auf den ersten Blick sieht der Brief der Geschäftsstelle Kaliumiodid-Versorgung authentisch aus. Das Schreiben, das heute in eine Million Haushalte verteilt wurde, richtet sich an jene Einwohner der Schweiz, die im Umkreis von 50 Kilometern eines Kernkraftwerkes wohnen und in den vergangenen Wochen Jodtabletten erhalten haben. «Dachte schon, es gibt gar keine Infos mehr zu den Jodtabletten. Heute im Briefkasten – endlich ein paar ehrliche Zeilen», twitterte die grüne Nationalrätin Aline Trede (BE) am Vormittag. SP-Nationalrat Cédric Wermuth, der in Baden wohnt, hat den Brief ebenfalls erhalten. Er schrieb: «Ähm, hat euch der Bund auch gerade informiert, dass die Verteilung von Jodtabletten eigentlich nutzlos ist?» Auch in Basel lag der Brief in vielen Briefkästen, wie die «Tageswoche» berichtet.

Bild: Twitteraccount Aline Trede
Bild: Twitteraccount Aline Trede

Tatsächlich liest sich der Brief einigermassen erschreckend. Jodtabletten seien am wirksamsten, wenn sie kurz vor dem Durchgang einer radioaktiven Welle eingenommen werden. «Wir können aber nicht garantieren, dass die Aufforderung, die Tabletten einzunehmen, rechtzeitig erfolgt.» Genauso wenig wie man ein Konzept für eine Evakuierung habe oder wisse, wie mit radioaktiv verseuchtem Wasser umgegangen werden soll.

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