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Es ist Zeit, die Scheuklappen abzulegen

Wenn zwei Prozent der Versicherten ihre Krankenkassenprämien nicht zahlen, ist etwas faul im Schweizer Gesundheitswesen.

Jacqueline Büchi
Steigende Prämienlast: Eine Ärztin erläutert ihrem Patienten eine Röntgenaufnahme. Foto: Keystone
Steigende Prämienlast: Eine Ärztin erläutert ihrem Patienten eine Röntgenaufnahme. Foto: Keystone

Können sie nicht, oder wollen sie nicht? Häufig verliefen Debatten über säumige Krankenkassen­prämienzahler in den letzten Jahren nach diesem Muster – und fast immer waren die Fronten klar: Rechte Politiker witterten Schlendrian, Linke beklagten ein Versagen des Systems und forderten eine Entlastung finanzschwacher Versicherter.

In diesem Licht lässt die Aussage von SVP-Mann Heinz Brand aufhorchen: Von einer «sozialpolitischen Zeitbombe» spricht der Alt-Nationalrat. Als Santésuisse-Präsident wird er täglich damit konfrontiert, wie sehr Teile der Gesellschaft unter der steigenden Prämienlast ächzen.

Wenn fast 170'000 Versicherte trotz Betreibung ihre Krankenkassenrechnungen nicht zahlen – und auch Druckmittel wie schwarze Listen in den meisten Kantonen keine Wirkung zeigen –, dann läuft etwas schief.

Keine Trendwende in Sicht

170'000 Personen – das sind rund zwei Prozent der Versicherten. Sie pauschal als Schmarotzer abzustempeln, die ihr Geld lieber für ein neues Auto oder Ferien ausgeben, wie diesin vergangenen Debatten teilweise geschah, scheint nicht angezeigt. Vielmehr legt der Blick auf die rekordhohen Prämienschulden den Schluss nahe, dass die Gesundheitskostenfür viele Menschen in diesem Land tatsächlich untragbar geworden sind.

Es gibt keinen Anlass, auf eine Trendwende zu hoffen, solange sich an den Rahmenbedingungen nichts ändert. Lösungsvorschläge gibt es mindestens so viele wie Parteien – allein zwei Volksinitiativen zum Thema sind in der Pipeline. Es ist nun an der Zeit,die ideologischen Scheuklappen abzu­legen und rasch Massnahmen zu beschliessen, die den Betroffenen wieder ein Leben in Würde ermöglichen.

Einfach wird das aber nicht. Alle Akteure, von den Spitälern über die Versicherer bis hin zu den Patienten, müssen in die Pflicht genommen werden. Dass es auf dieser Mission jedoch nicht förderlich ist, den Kreis der Menschen, die von Prämienverbilligungen profitieren, weiter zu beschränken, versteht sich von selbst.

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