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Eine Kuh für einen Sommer

Im Kanton Waadt können Bergfreunde und Tierliebhaber monateweise Kühe sponsern und am Leben auf einem Bergbauernhof teilnehmen. Vor allem bei jungen Städtern sind die Patenschaften sehr beliebt.

Leasen Sie Ihre Kuh: Vier Monate kosten 380 Franken.
Leasen Sie Ihre Kuh: Vier Monate kosten 380 Franken.
Keystone

Auf der Website www.mavachamoi.ch (von «ma vache à moi», französisch für «Meine eigene Kuh») posieren die Rindviecher im Postkartenidyll sommerlicher Almwiesen. Auf dem Berghof La Lecherette standen für den Sommer 2010 beispielsweise 20 Kühe zur Verfügung: Davon sind Ilda, Rosette, Tola, Ursula, Usine und Quenele noch zu haben, alle anderen sind gebucht.

Vor fünf Jahren hat der Alpenbewohner Michel Izoz die Kuhpatenschaften ins Leben gerufen. Vor allem bei jungen Städtern sind sie nach seinen Worten sehr beliebt. Die meisten Patenschaften werden demnach verschenkt. Städter erleben so den Kontrast der «stressigen Stadtwelt mit dem harten Leben in den Bergen», sagt er. 380 Franken kostet die Reservierung einer Kuh für vier Monate im Sommer. Dafür kann der Pate seine Kuh besuchen, so oft er will und erhält obendrein Alp-Käse zum Vorzugspreis.

Rinder mit Hörnern sind beliebt

Manche Kühe sind Izoz zufolge beliebter als andere. Vor allem Rinder mit Hörnern seien begehrt, weil sie «authentischer aussehen». Als er das Projekt damals ins Leben rief, ging es ihm vor allem darum, «den Leuten zu zeigen, dass das Hofleben echt anders ist als das, was wir uns vorstellen». Deshalb müssen Kuhpaten einen Arbeitseinsatz von mindestens vier Stunden absolvieren, bei dem sie die Herde zusammen halten, Holz hacken oder bei der Käseherstellung helfen, der in grossen Kupferkesseln über dem Holzfeuer brodelt.

Auch Esther Ginier lässt 16 ihrer Kühe im Sommer von Touristen sponsern. Ihr Bergbauernhof aus dem 17. Jahrhundert in La Comballaz ist mit Blumen und antiken Kuhglocken geschmückt. Ihr Sohn müsse oft lachen, wenn er Besucher aus der Stadt bei der Arbeit auf dem Hof sehe, sagt sie. «Sie merken, dass wir auf den Almwiesen sieben Tage die Woche arbeiten, dass wir auch sonntags nicht frei haben und kaum Urlaub. Wir sind vor allem vom Wetter gestresst, wir leben mit der Natur und ihren Regeln.»

Hartes Leben auf den Almwiesen

Auch die Rentnerin Katherine Bolay nimmt mit ihrem Mann an dem Projekt teil. Die Kuh-Paten seien überrascht, wie hart das Leben auf den idyllischen Almwiesen sein kann, sagt sie. Viele der Kurzzeitpraktikanten würden die Almen nur von Wochenendwanderungen kennen. Auch die Kinder lernen dazu: «Sogar hier in der Schweiz, im Land der Kühe, entdecken die Kinder bei uns, dass die Milch nicht aus der Packung kommt. Direkt aus dem Euter ist sie mild, warm und süss.» Viele der Älteren fühlten sich an ihre Kindheit erinnert, erzählt ihr Mann Jacques.

Claude Kobler aus Genf least seit 2007 jeden Sommer die Kuh Sirene. Dem Software-Experten geht es vor allem darum, die Bergbauern zu unterstützen. Nebenbei macht es ihn glücklich, mit einer völlig anderen Welt in Kontakt zu kommen. Auch Sirene, seine schwarz-weiss gefleckte Freiburger Kuh, finde an der Patenschaft Gefallen, glaubt Kobler: «Sie gibt mehr und mehr Milch.»

AFP/bru

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