Ein Oberst mit dunkler Vergangenheit

Ein 55-jähriger Berner ist zum Oberst der Schweizer Armee befördert worden. Dabei war er verurteilt worden, weil er am Haus seiner Ex-Freundin eine Bombe gezündet hatte. Die Geschichte erinnert an den Fall Nef.

Ein Berufsmilitär aus dem Berner Oberland wird von der Vergangenheit eingeholt. Knapp vier Monate nach der Beförderung zum Obersten hat der «Blick» einen Artikel veröffentlicht, der den 55-jährigen Oberst in einem schlechten Licht erscheinen lässt. Die Geschichte liegt zwar mehr als 20 Jahre zurück, ist aber höchst brisant. Im Oktober 1987 wollte sich der ausgebildete Sprengstoffspezialist mit einem Bombenanschlag an seiner Ex-Freundin rächen. Den Sprengstoff, den er in einem Thuner Munitionsdepot gestohlen hatte, zündete er vor dem Wohnblock, wo die Frau lebte. Es entstand ein Sachschaden in der Höhe von 5600 Franken. Der Täter arbeitete damals für das Eidg. Militärdepartement (heute VBS).

Gemäss dem «Blick»-Bericht war der Bombenanschlag erst der Anfang eines bizarren Treibens, das etwa ein Jahr dauern sollte. Er täuschte 13 «Anschläge» auf sich vor, fügte sich Schnitt- und Kratzwunden zu, schoss auf sein Auto, schlug sich Nägel durch seine Hände. Schliesslich wurde die Polizei auf ihn aufmerksam und ermittelte ihn auch als Bombenleger. Ein Gutachten stellte paranoide Störungen fest. Im Sommer 1994 musste er sich vor Gericht verantworten. Das Urteil lautete: Zehn Monate Gefängnis bedingt. Strafmildernd wirkte sich die« schwer verminderte Zurechnungsfähigkeit» aus.

Ausbildner für Swisscoy-Soldaten

Nach der Verurteilung verliess er die Armee und gründete eine Recycling-Firma. Vor etwa acht Jahren kehrte er zurück. Als Swisscoy-Angehöriger leistete er Dienst im Kosovo. Für die Swisscoy arbeitet der Berufsoffizier heute noch: Im Kompetenzzentrum Swissint in Stans ist er als Ausbildner für künftige Swisscoy-Soldaten tätig.

Die Beförderung zum Obersten per 1. April dieses Jahres bezeichnet «Blick» als Skandal. Gemäss dem Zeitungsbericht will das VBS zum Fall nicht konkret Stellung nehmen. Die Ausführungen sind allgemein gehalten. Vier Jahre nach der Strafverbüs­sung könnten aus der Armee ausgeschlossene Personen wieder Dienst leisten. Diese Personen müssten allerdings ein Gesuch stellen und eine einwandfreie Lebensführung nachweisen. Der Oberst wollte sich nicht zur Angelegenheit äussern.

Die Geschichte erinnert an den Fall Nef. Der frühere Armeechef Roland Nef wurde ebenso von der Vergangenheit eingeholt. In beiden Fällen spielte ein Beziehungskonflikt eine zentrale Rolle. Beide rächten sich auf üble Weise an ihren Ex-Freundinnen.

vin

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