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Ein Gedicht mit Sprengstoff

Larbi Guesmi, Menschenrechtsaktivist und muslimischer Prediger aus Neuenburg, soll im Internet zu Bombenterror aufgerufen haben. Er habe nur ein Gedicht geschrieben, wehrt sich der Tunesier.

«Die Schweiz hat eine Armee, um sich zu verteidigen. Und wir? Haben wir kein Recht, uns zu verteidigen?»: Larbi Guesmi (Screenshot: TSR)
«Die Schweiz hat eine Armee, um sich zu verteidigen. Und wir? Haben wir kein Recht, uns zu verteidigen?»: Larbi Guesmi (Screenshot: TSR)

«Sattelt die Pferde (...) und vergesst nicht die heiligen Gürtel, die Gürtel der Respektablen, die Sprengstoffgürtel für die Leute, die Verrat begehen.» Diese Zeilen erschienen in arabischer Sprache auf der tunesischen Webseite www.alhiwar.net – und sie stammen von Larbi Guesmi, der seit fast 20 Jahren als politischer Flüchtling in Neuenburg lebt.

Der 54-jährige Tunesier, der gelegentlich in Westschweizer TV-Diskussionen zum Thema Islam auftritt, liest in der muslimischen Gemeinde von Neuenburg regelmässig Freitagsgebete. Guesmi, von Beruf Informatiker, ist unter anderem Präsident einer Menschenrechtsorganisation und Mitglied einer islamischen Partei.

«Zur Rechenschaft ziehen oder ausweisen»

Der Aufruf zum Bomben-Terror, über den die Westschweizer Zeitung «24 heures» als erste berichtete, hat einigen Wirbel und viel Kritik ausgelöst, insbesondere unter den Tunesiern und den moderaten Muslimen in der Schweiz. Und erste Politiker fordern Konsequenzen für den politischen Flüchtling. «Die Bundesanwaltschaft, der Nachrichtendienst oder die Polizei sollte ihn zur Rechenschaft ziehen oder ausweisen», sagt Jakob Büchler, CVP-Nationalrat und Präsident der nationalrätlichen Sicherheitskommission, gegenüber der Zeitung «20 Minuten».

Laut der Zeitung «24 heures» will der Neuenburger SVP-Nationalrat Yvan Perrin im Fall Guesmi aktiv werden, nachdem sich Exil-Tunesier bei ihm gemeldet hätten: «Die Tunesier wollen nicht, dass ein paar Extremisten alles zerstören, was sie hier in den letzten 30 Jahren aufgebaut haben.» Mejbri Faouzi, Präsident der Vereinigung Schweiz-Tunesien, zeigte sich schockiert: «Das tut mir leid für das Image von Tunesien in der Schweiz.»

«Ich bin kein Terrorist. Da ist nichts Schlechtes»

Guesmi hat inzwischen seine Aussagen auf der Webseite www.alhiwar.net relativiert. Von «24 heures» auf seinen Text angesprochen, reagierte er ziemlich genervt. Die kritisierten Zeilen seien aus dem Kontext gerissen und falsch verstanden worden. Er habe lediglich ein Gedicht geschrieben, sagte der 54-jährige Tunesier, der in Diskussionen des Westschweizer Fernsehens bislang moderate Positionen vertrat.

«Ich bin kein Terrorist. Ich kann zu dem stehen, was ich geschrieben habe. Da ist nichts Schlechtes», sagte Guesmi. Dann spricht er über die politische Situation in seiner Heimat Tunesien. «Ich war für die Demokratie im Gefängnis. Das tunesische Regime zerstört unser Land und unsere Moscheen – und man soll nichts sagen?» Und weiter: «Die Schweiz hat eine Armee, um sich zu verteidigen. Und wir? Haben wir kein Recht, uns zu verteidigen?»

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