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Diesen Ferienhäusern droht der Abbruch

Im Seeuferfeuchtgebiet am Neuenburgersee sind Ferienhäuser ein Dorn im Auge von Naturschützern. Seit Jahren kämpfen sie für deren Abbruch und erhalten nun Unterstützung vom Bund. Die Hausbesitzer können diese Empfehlung nicht nachvollziehen.

Stehen in einem Naturschutzgebiet: Häuser in der Grande Cariçaie.
Stehen in einem Naturschutzgebiet: Häuser in der Grande Cariçaie.
Jean-Paul Guinnard/«Le Matin»

Die Ferienhäuser in einem Naturschutzgebiet am Südufer des Neuenburgersees sollen abgebrochen werden. Dies schlägt die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) vor. Von den rund 170 Bauten sind 120 direkt betroffen. Die ENHK kommt zum Schluss, dass die Ferienhäuser sowie die nötigen Bauten wie Strassen, Wege oder Stege nicht mit dem Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz vereinbar sind, wie es in der vom Kanton Freiburg veröffentlichten Stellungnahme heisst.

Die Häuser befinden sich in der Grande Cariçaie, die mit 3000 Hektaren das grösste Seeuferfeuchtgebiet der Schweiz ist. Das gegen 40 Kilometer lange Gebiet erstreckt sich über die Kantone Waadt, Freiburg, Neuenburg und Bern.

«Ein politischer Entscheid, fernab jeglicher Emotionen»

Nach Ansicht der ENHK gibt es «keine Massnahme, mit der der festgestellte erhebliche Schaden auf ein akzeptables Mass reduziert werden könnte». Die ENHK verlangt vom Kanton Freiburg, auf eine Legalisierung der Ferienhäuser nicht einzutreten. Vielmehr ersucht sie die kantonalen Behörden, alle notwendigen Massnahmen für einen Abbruch der zwischen den 1920er-Jahren und 1962 erstellten Bauten sowie für die Renaturierung der Gebiete zu ergreifen. Die Ferienhäuser befinden sich in den Kantonen Waadt und Freiburg.

Die Besitzer der Häuser – sogenannte Fahrnisbauten, die grösstenteils auf Pfählen stehen – haben sich in den 80er-Jahren in Vereinen formiert, um sich gegen die drohenden Abrisse zu wehren. Eduard Knecht ist Präsident einer dieser fünf Vereine. Zum Vorschlag der ENHK meint er: «Ich habe dafür absolut kein Verständnis, denn es handelt sich um einen politischen Entscheid, fernab jeglicher Emotionen.» Im Gespräch mit Redaktion Tamedia erzählt er, dass sein Haus 1928 gebaut wurde und von seiner Familie bereits von der fünften Generation als Ferienhaus genutzt werde.

Um die Natur sei es besser bestellt mit statt ohne Ferienhäuser

Knecht erklärt, in seinem Verein sei es ein grosses Anliegen, dass die Mitglieder sorgsam mit der Natur umgingen. «In der Vergangenheit ist es zwar da und dort zu Auswüchsen gekommen, doch seit rund 30 Jahren achten wir konsequent darauf, dass keine groben Eingriffe wie beispielsweise das Einlassen von Öltanks in die Erde mehr passieren», so der Vereinspräsident. Seine Familie habe bewusst darauf verzichtet, die Stromleitung bis zu ihrem Haus zu verlängern.

Er glaubt, dass es vor allem um die Fauna ohne die Ferienhäuser schlechter bestellt wäre. Denn laut den Fahrnisverträgen schreiben die Kantone Waadt und Freiburg als Grundstückeigentümer den Hausbesitzern vor, bei einer Kündigung das Land im ursprünglichen Zustand zurückzugeben. Dies würde laut Knecht womöglich bedeuten, dass auch die Uferstützmauern entfernt werden müssten und das Ufer 50 Meter weiter ins Land kommen würde. «Dies wäre für die hier heimischen Vögel und Biber sicherlich die schlechtere Variante», glaubt er.

Beide Seiten wollen für ihre Anliegen kämpfen

Um die Ferienhäuser am Neuenburgersee tobt seit Jahrzehnten ein Streit zwischen den Besitzern und Umweltverbänden. Letztere kämpfen seit über 20 Jahren gegen den Fortbestand der Ferienhäuser, nachdem die Zone Ende der 1960er-Jahre unter Schutz gestellt wurde. Doch auch die Ferienhausbesitzer geben sich kämpferisch: Sollten die beiden Kantone tatsächlich dem Vorschlag des ENHK folgen, werde sein Verein sicherlich alle ihm zur Verfügung stehenden Rechtsmittel ergreifen, sagt Knecht. «Notfalls gehen wir damit bis vors Bundesgericht.»

Nicht betroffen von den Empfehlungen der ENHK sind Fischerhütten der aktiven Berufsfischer. Der Kanton Freiburg will die Massnahmen mit dem Kanton Waadt koordinieren, der ebenfalls um eine Stellungnahme der ENHK gebeten hatte.

Die Freiburger und Waadtländer Regierungen boten den Ferienhausbesitzern 2007 Spezialverträge an, welche den Unterhalt und die Renovation der Ferienchalets regeln sollten. Dagegen zogen mehrere Umweltverbände vor Gericht und erhielten recht. Die Verträge wurden widerrufen.

SDA/bru/heb

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