Die Zersiedelungsinitiative findet noch immer eine Mehrheit

Friert die Schweiz die Bauzonen ein? Das Resultat der zweiten Welle der repräsentativen Tamedia-Abstimmungsumfrage.

Die Zersiedelungsinitiative der Jungen Grünen will neue Bauzonen verhindern. Bild: Keystone

Die Zersiedelungsinitiative der Jungen Grünen will neue Bauzonen verhindern. Bild: Keystone

Stefan Häne@stefan_haene

Dreieinhalb Wochen vor dem Urnengang vom 10. Febuar findet die Zersiedelungsinitiative der Jungen Grünen noch immer eine Mehrheit. Das zeigt die zweite Welle der repräsentativen Tamedia-Abstimmungsumfrage, die den Stand der Meinungsbildung am 10./11. Januar abbildet.

52 Prozent sagen Ja oder eher Ja zum Volksbegehren, das landesweit die Bauzonen einfrieren will. Das sind zwei Prozentpunkte weniger als bei der ersten Befragung vom 20. und 21. Dezember. Die beiden federführenden Politologen Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen resümierten damals, die Unterstützung werde im weiteren Verlauf des Abstimmungskampfs weiterbröckeln – der klassische Verlauf bei einer Volksinitiative.

Zwar trifft diese Einschätzung bis jetzt zu, doch ist der Rückgang vergleichsweise gering. Leemann begründet dies mit der öffentlichen Debatte, die bis jetzt noch nicht richtig in die Gänge gekommen sei. Das aber werde sich nun ändern, zeigt er sich überzeugt. Mit dem Resultat, dass die Initiative am Ende scheitern werde.

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War die Vorlage in der ersten Umfrage bei den Wählern aller Parteien ausser der FDP und der CVP mehrheitsfähig, ist sie es jetzt nur noch bei den Grünen (85 Prozent), der SP (70 Prozent) sowie der GLP (67 Prozent). Absetz­bewegungen gibt es also bei den SVP- und BDP-Wählern. Während Männer die Initiative mehrheitlich ablehnen (52 Prozent), findet die Vorlage bei Frauen eine zustimmende Mehrheit (60 Prozent).

Trotz Leemanns Einschätzung spricht Luzian Franzini vom Initiativkomitee von einem «erfreulichen» Resultat, das er umso höher gewichtet, als die Gegnerschaft die Schweiz derzeit mit Nein-Plakaten zukleistere. Da die aktuelle Gesetzgebung die Zersiedelung nicht stoppen könne, sei die Initiative die ideale Ergänzung zum bestehenden Raumplanungsgesetz.

Dem widersprechen die Gegner vehement. Die Initiative, so Nationalrat Christian Wasserfallen, sei ein bodenplanwirtschaftlicher Ansatz mit verordnetem Entwicklungsstopp in der ganzen Schweiz – «ein Reisswolf im Schafspelz». Dem Ergebnis der Umfrage traut der Freisinnige nicht: Solche Umfragen seien sehr unpräzise, was in der Vergangenheit schon krasse Fehl­resultate eingebracht habe.

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