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Die welsche SVP hat Gegenwind

Die SVP hat es am sonntag nicht geschafft, in der Waadt wieder einen welschen Regierungssitz zu erobern. Die Romandie bleibt für die erfolgsverwöhnte ­Partei ein hartes Pflaster. Vor allem auch, weil es ihr an profilierten Figuren mangelt.

SVP-Mann Jacques Nicolet (Zweiter von links) verpasste gestern im ersten Wahlgang den Durchmarsch in die Waadtländer Kantonsregierung.
SVP-Mann Jacques Nicolet (Zweiter von links) verpasste gestern im ersten Wahlgang den Durchmarsch in die Waadtländer Kantonsregierung.
Keystone

Die Chancen sind intakt, dass die Mehrheit in der Waadtländer Kantonsregierung auch in Zukunft rot-grün bleibt. Im ersten Wahlgang übertrafen zwar gestern erst die zwei bisherigen ­SP-Regierungsmitglieder Pierre-Yves Maillard und Nuria Gorrite das absolute Mehr – zusammen mit allen drei bisherigen FDP-Staatsräten Pascal Broulis, Jacqueline de Quattro und Philippe Leuba. Auf den Spitzenplätzen für die letzten zwei Sitze, die im Wahlgang vom 21. Mai besetzt werden, sind aber die bisherige Grüne Béatrice Métraux und die neue SP-Kandidatin, National­rätin Cesla Amarelle.

Hoffnung auf 2. Wahlgang

Jacques Nicolet – der Landwirt, der den 2011 an die Grünen ver­lorenen SVP-Regierungssitz zurückerobern sollte – folgt bei der Ausmarchung für die sieben Regierungssitze erst auf Platz acht. Obwohl er auf einem Ticket mit den FDP-Staatsräten antreten konnte. Gemäss «20 Minutes» ist sein Rückstand auf die siebtplatzierte Cesla Amarelle immerhin kleiner als erwartet. Nicolet kann sich für den zweiten Wahlgang Hoffnungen auf Stimmen aus dem bürgerlichen Lager machen.

Bei den Wahlen ins 150-köpfige Kantonsparlament, den grossen Rat, konnten die Bürgerlichen ihre knappe Mehrheit bewahren. Die FDP als stärkste Kraft legte gar um zwei auf 49 Sitze zu. Die SP verlor vier ihrer bisher 41 Sitze, während die Grünen um zwei auf 21 Sitze zulegten. Anders als die FDP verlor die SVP im Parlament 2 Prozent Wähleranteil und zwei ihrer bisher 27 Sitze.

Der Wahlausgang ist für die in der Deutschschweiz erfolgsverwöhnte SVP umso schmerzhafter, als ihr die Waadt von allen welschen Kantonen am nächsten liegt. Dort gibt es eine starke Bauernschaft. Und die in den 1970er-Jahren gegründete Waadtländer SVP ist die älteste welsche SVP-Kantonalpartei.

«Die Waadt gilt unter der Ägide des Powerduos mit dem Linken Maillart und dem Bürgerlichen Broulis derzeit als Erfolgsmodell», erklärt Parteienforscher Andreas Ladner, Professor am Institut de hautes études en administration publique der Universität Lausanne. Die Produktivität des boomenden Kantons sei hoch, seine Arbeitslosigkeit tief. Auf dem spektakulär wachsenden Universitätscampus von Lausanne könne er aus seinem Bürofenster erkennen, wie der Waadtländer Staat in die Bildung investiere, sagt Ladner. Für die SVP sei es deshalb schwer, mit einem staatskritischen Programm Akzente zu setzen.

Eigenwillige Kantone

Wenn nicht in der Waadt, wo sonst in der Romandie kann es für die SVP denn vorangehen? «Die Kantone der Romandie sind schwieriges Gelände für die SVP», bestätigt Ladner. Jeder habe eigene Machtkonstellationen. Das Wallis, wo Oskar Freysinger den letzten welschen Regierungssitz der Romandie verloren hat, ist wie der Kanton Jura eine CVP-Hochburg. Der Uhrenkanton Neuenburg, wo die SVP ihren Regierungssitz und empfindlich viele Parlamentssitze verloren hat, tickt links. In Freiburg schaffte sie den Einzug in die Kantonsregierung nicht.

Genf ist ohnehin ein Sonderfall. «Genf versteht den Rütli-Patriotismus der SVP nicht», sagt Joëlle Kuntz, Genfer Publizistin und langjährige Autorin von «Le Temps». Stärker noch als die anderen welschen Kantone habe Genf eine historische Erfahrung der Öffnung und Kooperation mit den europäischen Nachbarn. «Der nationalistische Diskurs der SVP macht in der Romandie eher Angst», sagt Kuntz.

Sogar die rechte Protestpartei MCG (Mouvement Citoyen Genevois) ticke in einem Genfer Stil. «Das MCG ist wie die Lega im Tessin populistisch und spricht anders als die SVP untere Einkommen mit sozialstaatlichen Versprechen an», sagt Andreas Ladner. Sein Fazit: Die SVP gelte in der Romandie immer noch als Deutschschweizer Phänomen und sei immer noch daran, in der Westschweiz erst Fuss zu fassen.

Pech mit Spitzenleuten

Bei Kantonswahlen sei das Spitzenpersonal einer Partei weit wichtiger als deren Programm, sagt Ladner. Da ortet er denn auch das Hauptproblem der SVP in der Westschweiz. Sie habe mit ihren bisweilen skandalumwitterten Spitzenleuten keine glückliche Hand gehabt. «Die SVP hat keine Westschweizer Leader, sondern nur kleine kantonale Leader ohne Gefolgschaft in den anderen Kantonen», analysiert Joëlle Kuntz.

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