Die Wahrheit übers Lottospielen

70 Millionen Franken warten auf den Gewinner des Jackpots. Wussten Sie, dass viele nicht primär des Geldes wegen Lotto spielen, sondern wegen des Nervenkitzels? Wir präsentieren wenig bekannte Lottofakten.

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(Bild: Karikatur: Max Spring)

Mirjam Comtesse

Wer heute den Jackpot knackt, erhält 70 Millionen Franken. Das ist der höchste Gewinn, den es jemals im Schweizer Zahlenlotto gab. Der bisherige Rekord datiert vom 23. August 2014. Damals ergatterte ein Glückspilz 48,6 Millionen.

Der zweite Rekord betrifft die Anzahl Ziehungen: Seit 48 Runden hat niemand den Jackpot erobern können. ­Bisher gab es spätestens nach 42 Ziehungen einen Gewinner. Kein Wunder, hoffen nun auch viele, die sonst nicht tippen, auf das grosse Los. Wir haben sowohl für Profis als auch für Laien die grössten Lottomythen auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft.

Mythos 1: «Eine Lottomillion macht nicht glücklich»

So absolut formuliert stimmt dies nicht. Swiss Lotto hat bisher fast 700 Millionäre hervorgebracht. Der erste war im Jahr 1979 der Berner Werner Bruni. Ihn hat der Gewinn tatsächlich ins Verderben gestürzt. Er investierte sein Geld auf Anraten seines Chefs in eine Immobilie und verschuldete sich damit heillos.

Swisslos-Sprecher Willy Mesmer, der seit über 30 Jahren mit Lottogewinnern zu tun hat, betont allerdings: «Das ist der einzige Fall, der mir bekannt ist, bei dem alles schiefging.» Swisslos habe kürzlich alle Teilnehmer angeschrieben, die im Jahr 2011 mindestens 500'000 Franken gewonnen hatten. Von den 53 Personen meldete sich rund die Hälfte. «Sie bezeichneten den Gewinn als positive Erfahrung, von der sie nach wie vor profitieren», sagt Mesmer.

Mythos 2: «Die meisten spielen Lotto, weil sie reich werden wollen»

Natürlich spielt die Aussicht auf einen Zustupf eine Rolle, aber nicht unbedingt die entschei­dende. Der Wirtschaftssoziologe Jens Beckert vom Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln hat untersucht, weshalb Leute Lotto spielen. Er sagt, rund 40 Prozent von ihnen sind im Alltag oft frustriert, weil sie sich ihre materiellen Wünsche nicht erfüllen können. Sie träumen also tatsächlich vom grossen Geld.

Daneben gibt es auch die irrationalen Spieler, die rund 8 Prozent ausmachen. Sie schätzen die Wahrscheinlichkeiten falsch ein und glauben, sie hätten eine realistische Chance, eine Million zu gewinnen. Damit bleibt aber immer noch eine Mehrheit von 52 Prozent, die einfach Lotto spielt, weil sie primär Spass an der Spannung hat.

Diese Spiellust hat keinen Zusammenhang mit Ausbildung oder Status. «Unsere Gewinner reichen vom einfachen Hilfsarbeiter bis zum Bankdirektor», sagt Willy Mesmer von Swisslos.

Mythos 3: «Die Chance, den Jackpot zu knacken, ist kleiner als früher»

Ja, das stimmt. Es ist eine beliebte Matheaufgabe für Gymnasiasten, die Wahrscheinlichkeit eines Lottosechsers zu berechnen. Vor allem, weil das Ergebnis so schwindelerregend ist. Um den Jackpot zu knacken, muss ein Spieler 6 Richtige aus 42 ­Zahlen tippen plus die richtige Glückszahl aus 6 Zahlen ankreuzen.

Die Chance dafür beträgt 1:31 Millionen. Dies trifft allerdings erst seit der neuen Lotto­formel zu, die Anfang 2013 ein­geführt wurde. Vorher galt es, 6 Richtige aus 45 Zahlen zu er­raten. Die Chance dafür lag tatsächlich deutlich höher, bei 1:8 Millionen.

Mythos 4: «Je mehr mitspielen, desto kleiner fallen die einzelnen Gewinne aus»

Das ist ein Trugschluss. Bei einem Rekordjackpot spielen zwar viel mehr Leute Lotto. Laut Swisslos wurden in den vergangenen Tagen jeweils rund 1,5 Millionen Scheine verkauft. Das sind etwa zehnmal so viele wie sonst. Doch Swisslos schüttet jeweils einen Anteil von 55 Prozent davon wieder als Gewinn aus.

Wenn nun die gesamte Gewinnsumme grösser ist, dann fällt auch der Betrag, den man beispielsweise für 3 Richtige erhält, höher aus. Weil mehr Leute mitspielen, ist aber auch die Wahrscheinlichkeit grösser, dass man die Summe mit mehreren anderen teilen muss, die ebenfalls auf 3 Richtige getippt haben.

So erhalten die Gewinner stets in etwa gleich viel Geld. Anders ist dies beim Knacken des Rekordjackpots. Auch wenn mehrere die sieben rich­tigen Zahlen angeben würden, wäre der Gewinn angesichts der gewaltigen Summe höchstwahrscheinlich immer noch eindeutig höher als üblich.

Mythos 5: «Der Lottoeinsatz ist in der Regel hinausgeworfenes Geld»

Nein. Wer beim Lottospielen verliert, ärgert sich vielleicht. Doch er tut mit seinem Einsatz etwas fürs Gemeinwohl. Swisslos ist eine Genossenschaft und im ­Besitz der Deutschschweizer Kantone sowie des Tessins. Von jedem Franken, den man fürs Lottospielen ausgibt, gehen 55 Rappen an die Lottogewinner, 8 Rappen bekommen die Kioske sowie andere Verkaufsstellen, und 7 Rappen werden zur Deckung des Betriebsaufwands genutzt.

Der Rest von 30 Rappen fliesst in die Lotteriefonds der Kantone. Diese erhielten so letztes Jahr 327 Millionen Franken. Das Geld wird für gemeinnützige Zwecke eingesetzt, also für wohltätige Projekte, Sport und Kultur.

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