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Die späte Einsicht der Ständeräte

Ein Arbeitsgesetz, das Wochenpensen von 67 Stunden zulässt, ist chancenlos.

Markus Brotschi
Nun drohen doch keine 67-Stunden-Wochen. Der Ständerat hat die Liberalisierung des Arbeitsgesetzes bachab geschickt. Foto: iStock
Nun drohen doch keine 67-Stunden-Wochen. Der Ständerat hat die Liberalisierung des Arbeitsgesetzes bachab geschickt. Foto: iStock

Drei Jahre investierten bürgerliche Ständeräte in eine Liberalisierung des Arbeitsgesetzes, die im Volk chancenlos ist. Um dies einzusehen, brauchte es nicht nur den Widerstand der Gewerkschaften, sondern den Luzerner CVP-Gesundheitsdirektor Guido Graf. Er erinnerte die Ständeräte daran, dass die Arbeitsbelastung bereits heute viele krank macht.

Die Promotoren der Reform zeichneten hingegen das Bild einer modernen Arbeitswelt, die auf flexible Arbeitszeiten angewiesen sei, von der auch die Arbeitnehmenden nur profitierten. Wenn immer möglich, sollten diese ihre Arbeit selbst einteilen können. Die Restriktionen für Nacht- und Sonntagsarbeit seien überholt.

Dem ist aber nicht so. Gerade weil das klassische Arbeitsmodell «nine to five» an Bedeutung verliert, braucht es Regeln, die den Arbeitnehmern angemessene Erholungszeiten und Freizeit garantieren, die sie auch mit anderen verbringen können. Wer in acht Monaten ein Arbeitspensum eines Jahres absolviert, wie das die Reform zulässt, schädigt seine Gesundheit, auch wenn er danach vier Monate Ferien hat.

Das Argument, solche Arbeitsmodelle wären nur mit dem Einverständnis der Angestellten möglich, ist fadenscheinig. Zu grosse Vorteile bietet das Jahresarbeitsmodell den Arbeitgebern, indem die 45-Stunden-Woche abgeschafft wird sowie Bewilligungen und Abgeltungen für Sonntagsarbeit entfallen. Wenn in einer Branche solche Modelle zum Standard werden, kann sich der Einzelne kaum wehren. Das Gesetz enthält zudem Gummiparagrafen, mit denen sich die Zahl der Betroffenen beliebig erweitern lässt.

Es wäre für die Gewerkschaften ein Leichtes, ein solches Arbeitsgesetz in der Volksabstimmung zu bekämpfen. Deshalb schwenken die Ständeräte nun auf den richtigen Weg ein, jenen der sozialpartnerschaftlich ausgehandelten Lösungen. Wenn eine Branche begründen kann, warum sie eine Ausnahmeregelung braucht, erhält sie diese schon heute.

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