Die SP hat sich auf die falschen Gegner eingeschossen

Die Sozialdemokraten wettern lieber über Abtrünnige und Grünliberale, als sich ihres Hauptproblems anzunehmen.

Adrian Schmid@adschmid

Für die SP war es eine Horror­woche. Die Schwesterparteien verloren bei den EU-Wahlen, und in Zürich wechselten weitere Promis zu den Grünliberalen. Die Parteiführung war sicher froh, konnte sie in ein langes Wochenende verreisen.

Die SP befindet sich nicht in einer Krise wie in Deutschland oder Frankreich. Sie gewann in den Kantonen zuletzt immer noch Sitze dazu. Auch die Mitgliederzahl steigt, trotz namhaften Abgängen. Und dennoch steckt die Partei in Schwierigkeiten. Wenn alles in Ordnung wäre, liefen Leute wie Chantal Galladé und Daniel Frei nicht davon. Es sind nicht nur die internen Richtungskämpfe, die der SP zusetzen. Immer mehr macht ihr auch die grüne Konkurrenz zu schaffen.

Die viel ernsthaftere Gefahr geht von den Grünen aus

Grüne und Grünliberale eilen von Wahlsieg zu Wahlsieg und haben Zulauf wie lange nicht mehr. Die GLP ist bei 4500 Mitgliedern angekommen, das entspricht einem Plus von 10 Prozent seit Anfang Jahr. Das macht neidisch. Schon vor Wochen hat die SP mit ihrem GLP-Bashing begonnen, selbst Präsident Christian Levrat beteiligte sich. Die Grünliberalen geben auch ein gutes Ziel ab, da es grosse Differenzen in der Wirtschafts- und Sozialpolitik gibt.

Die SP hat sich aber auf den falschen Gegner eingeschossen. Die viel ernsthaftere Gefahr geht von den Grünen aus. Das Gros ihrer Basis wird die SP bei den Wahlen im Herbst zwar behalten. Wenn es aber darum geht, Neuwähler – insbesondere Junge – anzuwerben, sind die Grünen im Vorteil. Aufgrund des derzeitigen Klimahypes ist grün im Trend, rot eher von gestern. Eigentlich sollte Levrat jetzt Grünen-Chefin Regula Rytz attackieren. Doch wer mag sich schon mit der besten Freundin anlegen, die fast identische Positionen vertritt? Die SP steckt im Dilemma. Sie hat kein Mittel, um ihr Hauptproblem zu bekämpfen.



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