Die seltsamen Aktivitäten des Konsuls

Milliardär Frederik Paulsen betreibt für sein russisches Honorarkonsulat eine Firma in der Karibik. Diese will er wegen der Kreditkarten seiner Mitarbeiter gegründet haben.

Gut vernetzt in Lausanne und der Welt: Frederik Paulsen, Milliardär und russischer Honorarkonsul. Foto: Peter Schneider (Keystone)

Gut vernetzt in Lausanne und der Welt: Frederik Paulsen, Milliardär und russischer Honorarkonsul. Foto: Peter Schneider (Keystone)

Philippe Reichen@PhilippeReichen

Er war lange eine Randfigur in einer hitzigen Debatte: Frederik Paulsen, pauschalbesteuerter Waadtländer Milliardär mit schwedischem Pass, Pharmaunternehmer und russischer Honorarkonsul in Lausanne. Recherchen dieser Zeitung zeigten: Paulsen hat Westschweizer Politiker in den vergangenen Jahren wiederholt auf Russland-Reisen begleitet, darunter den Waadtländer Finanzdirektor Pascal Broulis und SP-Ständerätin Géraldine Savary. 2016 lud er Savary zu einem Musik- und Tanzfestival nach Granada ein.

Vor einigen Wochen wurde Paulsen zu einer Hauptfigur. Er tauchte inmitten einer Polit-Affäre auf. Savary gestand ihrer Partei, dass Paulsen die Ständeratswahlkämpfe von ihr und Luc Recordon (Grüne) 2011 und 2015 finanziell unterstützt hatte. 2011 hatte sie 2500 Franken mehr kassiert als in den parteiinternen Richtlinien erlaubt.

Genossen hatten die Nähe zwischen Savary und Milliardär Paulsen schon immer kritisch beäugt. Nun krachte es zwischen der Parteileitung und Savary. Sie kündigte an, ihre politische Karriere zu beenden und als Vizepräsidentin der SP Schweiz zurückzutreten.

«Wir haben gemeinsam faszinierende Diskussionen über die Zukunft der Sozialdemokratie geführt.»Frederik Paulsen über Géraldine Savary, SP-Ständerätin

«Ich bin wütend», sagte Paulsen nach Savarys Entscheid der Zeitung «Le Temps». Er möge sie sehr: «Wir haben gemeinsam faszinierende Diskussionen über die Zukunft der Sozialdemokratie geführt.» Man habe debattiert, er habe ihr Artikel geschickt. Paulsen stellte schliesslich die Frage in der Raum: «Hat eine Sozialistin nicht das Recht, Freunde mit Geld zu haben?»

Recherchen zeigen nun: Frederik Paulsen hat in den letzten Jahren ein wenig transparentes Geflecht von Gesellschaften und Stiftungen in Offshore-Steueroasen aufgebaut. In den Datenleaks Paradise Papers und Panama Papers taucht er als Kunde der Anwaltskanzlei Appleby und des inzwischen geschlossenen Offshore-Dienstleisters Mossack Fonseca auf. Alleine Mossack Fonseca hat auf den Namen Frederik Paulsen fünf Firmen registriert. Dazu besitzt Paulsen eine Familienstiftung auf der Kanalinsel Jersey und eine Stiftung auf den Bahamas. Besonders interessant ist die Urkunde einer Gesellschaft auf den Britischen Jungfern-Inseln: die «Consulat Russe VD Ltd». Die Firma in der Karibik dient gemäss der Firmenurkunde in erster Linie der Abwicklung von Geldgeschäften. Im Dokument steht: «Das Ziel der Firma ist, auf jede mögliche Weise die Mission und die Aktivitäten des Honorarkonsulats in Lausanne zu unterstützen, einschliesslich insbesondere und ohne Einschränkung Finanzmittel, Kreditkarten und Bankkapital durch die Gründung von Bankkonten bereitzustellen.» Als konsularische Aktivitäten gelten: «Erweiterung von Wirtschafts-, Handels-, Wissenschafts-, kulturellen und anderen Beziehungen und die Begleitung von in der Schweiz inhaftierten Russen und von Russen und ihren Familien im Fall eines Todesfalls.»

Warum nicht in der Schweiz?

Dass ein Honorarkonsul für sein Konsulat eine Firma gründet, ist ganz und gar nicht diplomatischer Usus. Vielmehr beschäftigt ein Honorarkonsul in seinem Unternehmen normalerweise eine Person, die in Teilzeitarbeit Konsulatsarbeiten verrichtet. Warum hat Frederik Paulsen eine Firma in der Karibik gegründet? Warum nicht in der Schweiz?

Sein Mandant wolle nicht in die Details gehen, antwortet Paulsens Lausanner Anwalt, Christian Bettex. «Weil die Funktion des Honorarkonsuls nicht wirtschaftlicher Natur ist, ist es nicht vorgesehen, eine Gesellschaft nach schweizerischen Recht zu gründen», so Bettex. Die Consulat Russe VD Ltd. sei gegründet worden, um «Konsulatsmitarbeitern Kreditkarten auszugeben, damit diese ihre Berufskosten decken könnten», führt Bettex aus. Viele Kreditkarten scheinen nicht nötig zu sein. Die Website weist vier Mitarbeiter aus, darunter Paulsens Ehefrau. Bettex betont: «Es gibt keine steuerlichen Vorteile, die sich aus dieser Struktur ergeben.» Dafür sei diese nicht entworfen worden. Doch Frage bleiben: Wenn es keine Steuervorteile gibt, warum musste er die Firma in der Karibik gründen? Und wenn er seine Funktion als Honorarkonsul nicht wirtschaftlicher Natur ist, warum war überhaupt eine Firma notwendig?

Russlands Honorarkonsul in Lausanne ist Paulsen seit Februar 2009. Im Jahr zuvor hatte ihn Russlands Präsident Wladimir Putin mit dem Orden der Freundschaft ausgezeichnet. Die Russische Föderation feierte ihren neuen Konsul im Lausanner Fünfsternhotel Palace mit Häppchen, Champagner und Wodka und einer Rede von Finanzdirektor Pascal Broulis.

Wegen seiner Rolle als Honorarkonsul stuften die Anwaltskanzlei Appleby und der Offshore-Dienstleister Mossack Fonseca Paulsen bald als «politisch exponierte Person» (PEP) ein. Das geht aus verschiedenen Dokumenten hervor. Für PEP gelten strengere Anforderungen bezüglich Geldwäscherei. Gemäss Paulsens Anwalt wurde Paulsen jedoch nicht als PEP eingestuft. Paulsen habe alle Dokumente eingereicht, die zeigten, dass er kein PEP sei.

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