Zum Hauptinhalt springen

Die Schweizer Milchbranche steckt in einer Zerreissprobe

Seit zwei Jahren versucht die Branchenorganisation Milch, die verschiedenen Interessen im Schweizer Milchmarkt so zu kanalisieren, dass alle mit der Milch Geld verdienen können. Doch noch immer sind die Rollen der verschiedenen Akteure nicht geklärt.

Mit dem Melken ist es nicht getan. In der Branchenorganisation Milch muss es auch interessieren, zu welchem Preis sich die Milchprodukte verkaufen lassen.
Mit dem Melken ist es nicht getan. In der Branchenorganisation Milch muss es auch interessieren, zu welchem Preis sich die Milchprodukte verkaufen lassen.
freshfocus

Markus Zemps Freude am Präsidium der Branchenorganisation Milch (BOM) hält sich in Grenzen. Seit gut zwei Jahren existiert die Organisation. Ihr Ziel ist es laut Zemp, «eine marktfähige Nachfolgelösung für die Milchkontingentierung zu finden».

«Hilfeschrei» der SMP

Die BOM ist die Dachorganisation aller im Schweizer Milchmarkt beteiligten Akteure. Doch bisher ist es ihr nicht gelungen, dafür zu sorgen, dass in der Milchbranche alle am gleichen Strick ziehen, im Gegenteil: Der Vorstand der Schweizer Milchproduzenten (SMP) hat Ende September den Austritt des Verbandes angekündigt. Morgen wird die Delegiertenversammlung entscheiden.

SMP-Direktor Albert Rösti erklärte gestern, die Austrittsandrohung sei «als Hilfeschrei» zu verstehen. Denn eine Branchenorganisation sei nur dann von Nutzen, wenn sie auch für das letzte Glied in der Kette, also für die Milchbauern, Wertschöpfung bringe. Nachdem die BOM Ende September beschlossen hatte, den Richtpreis auf Anfang November um vier Rappen zu senken, war den SMP der Kragen geplatzt.

Rollen klären

Was Markus Zemp die Freude am Präsidium der Dachorganisation langsam vergällt, ist die Tatsache, «dass die Mitgliedorganisationen teilweise unrealistische und partiell gegenseitig nicht kompatible Erwartungen an die BOM haben.» Zemp sagte: «Wer von der BOM erwartet, dass der Milchpreis für alle Bauern in der Schweiz kostendeckend wird, hat die Rolle einer Branchenorganisation nicht verstanden.» Von Anfang an sei nicht klar gewesen, worin die Rollen der BOM, des Staates und der SMP eigentlich bestünden, stellte er fest. «Man hat vermutlich einfach gehofft, dass es gut kommt.»

Doch er und die BOM liessen sich nicht länger «als Prügelknaben und für politische Spiele oder zur Ablenkung von eigenem Versagen missbrauchen», machte Zemp klar. Jetzt gelte es, die widersprüchlichen Erwartungen auf den Tisch zu legen und Lösungsansätze zu formulieren. Bis Ende Januar erwartet Zemp als Erstes einen konstruktiven Vorschlag von den SMP.

Gegenüber dieser Zeitung stellte Zemp fest: «Die Branche ist noch nicht daran gewöhnt, eine Lösung für alle zu suchen.» Man traue einander nicht, und jeder Marktakteur fahre sein eigenes Züglein.

Trotzdem auch Erfolge

Gleichzeitig ist Zemp überzeugt: «Die BOM ist besser als ihr Ruf.» Er erinnerte daran, dass während ihrer Zeit der Richtpreis nicht nur gesenkt, sondern mehrmals auch schon erhöht worden sei. Zudem habe die BOM mit der Segmentierung zwar ein kompliziertes, aber auch ein «marktnahes System» gefunden. Als A-Milch mit dem höchsten Preis wird jene Menge gehandelt, die in der Schweiz abgesetzt wird. Etwas weniger gibt es für B-Milch, die als Käse in die EU exportiert wird. C-Milch schliesslich wird zu Weltmarktpreisen gehandelt und muss nach ausserhalb der EU exportiert werden. Dank dem Marktstützungsfonds, in den alle Bauern einzahlen müssen, konnte die BOM zudem den Butterberg von 10'000 Tonnen Ende August bis letzte Woche auf etwas über 5000 Tonnen abbauen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch