«Die Schweiz unterstützt alle Bemühungen»

Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga äussert sich zu den aktuellen Flüchtlingsdramen im Mittelmeer. Derweil hat die EU einen Krisengipfel einberufen.

«Wir können es nicht dulden, dass diese Menschen im Meer untergehen»: Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga spricht zum Flüchtlingsdrama im Mittelmeer. (20. April 2015)

«Wir können es nicht dulden, dass diese Menschen im Meer untergehen»: Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga spricht zum Flüchtlingsdrama im Mittelmeer. (20. April 2015)

(Bild: Keystone)

Nach dem Flüchtlingsdrama auf dem Mittelmeer ist die Schweiz bereit, eine Ausdehnung der Rettungsoperationen zu unterstützen. Dies sagte Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga vor den Medien in Bern.

«Das ist eine Tragödie», stellte Sommaruga fest. «Wir sind in Gedanken bei den Opfern, Familien und Angehörigen.» Kurzfristig seien die Ursachen nicht zu beseitigen, welche diese Menschen aufs Meer trieben. Daher gelte es, sich auf das Machbare zu konzentrieren.

Die Vorschläge dazu seien auf dem Tisch, sagte Sommaruga. Und die Schweiz sei bereit, alle Bemühungen zu unterstützen. Unter den Vorschlägen seien die Ausdehnung der Rettungsoperationen auf von der Küste entfernte Gebiete, Auffanglager in Nordafrika sowie die stärkere Bekämpfung der Schlepperbanden. Überdies müsse in Europa nun endlich ernsthaft über einen Verteilschlüssel diskutiert werden.

Schweiz erwartet Solidarität

Die Schweiz stehe in engem Austausch mit der EU, sagte Sommaruga weiter. Diese habe auch zur Kenntnis genommen, dass die Schweiz entschieden habe, im Rahmen von Kontingenten weitere 3000 syrische Flüchtlinge aufzunehmen. Fast 10'000 Syrerinnen und Syrer seien bereits im Land.

Die Schweiz erwarte nun, dass alle europäischen Staaten diese Solidarität zeigten. «Wir können es nicht dulden, dass diese Menschen im Meer untergehen», sagte die Bundespräsidentin. Wichtig sei auch die Hilfe vor Ort. Auf die Frage, ob Aufnahmezentren in Nordafrika realistisch seien, räumte sie ein, dass die Situation nicht einfach sei in Staaten, die selber um Stabilität ringen. Die Zusammenarbeit mit Libyen gestalte sich sehr schwierig. Es dürfe aber keine Überlegung ausgelassen werden, um die Todesfalle im Mittelmeer zu verhindern.

EU-Krisengipfel am Donnerstag

Die EU-Staats- und -Regierungschefs kommen am Donnerstag zu einer Krisensitzung wegen jüngsten Flüchtlingskatastrophen im Mittelmeer zusammen. Das gab EU-Ratspräsident Donald Tusk bekannt. Der britische Premierminister David Cameron begrüsste die Entscheidung. «Wir brauchen einen umfassenden Plan; er muss Suche und Rettung umfassen. Entscheidend ist aber, dass wir uns mehr mit den Problemen der Länder befassen, aus denen diese Menschen kommen», sagte er.

Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi forderte eine Stabilisierung der Lage in Libyen. Von dort starten besonders viele Flüchtlinge in Richtung Europa, weil es kaum noch eine funktionierende Staatsmacht gibt. Einen Einsatz von Bodentruppen schloss Renzi aus. Tschechiens Ministerpräsident Bohuslav Sobotka forderte die EU auf, sich für ein Ende des Bürgerkriegs in Libyen einzusetzen. Polens Regierungschefin Ewa Kopacz sagte, um den Flüchtlingsstrom zu stoppen, müsse die Situation in den Herkunftsländern verbessert werden.

rar/sda

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt