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Die Renten steigen so oder so

Der Nationalrat hat am Dienstag ein Modell beschlossen, mit dem sich das Rentenniveau innerhalb der 2. Säule – ohne Erhöhung der AHV – halten lässt.

Fabian Schäfer
Die ­gesetzlich garantierten Alters­renten in der Schweiz sollen in Zukunft fast ausnahmslos höher sein als bisher.
Die ­gesetzlich garantierten Alters­renten in der Schweiz sollen in Zukunft fast ausnahmslos höher sein als bisher.
Keystone

Erstaunlich, aber wahr: Die ­gesetzlich garantierten Alters­renten in der Schweiz sollen in Zukunft fast ausnahmslos höher sein als bisher. Zwar ist man sich im Parlament noch nicht einig, wie man dieses Ziel erreichen will. Auf dem Tisch liegen aber zwei Modelle: Ein neues Modell, für das sich am Dienstag der Nationalrat ausgesprochen hat. Hinter diesem bürgerlichen Modell, stehen SVP, FDP und GLP.

Das bereits länger bekannte Mitte-links-Modell, für das sich der Ständerat einsetzt. Dahinter stehen SP, CVP und BDP. Ihr Plan umfasst auch die umstrittene Erhöhung der AHV um 70 Franken im Monat für alle Neurentner ab 2018. Ehepaare erhielten sogar bis zu 226 Franken mehr.

Aber egal, welches Modell am Ende obsiegt, die Folgen für die künftigen Renten sind ähnlich: Das Niveau der ­Altersrenten aus der AHV und dem obligatorischen Teil der 2. Säule (Pensionskassen) steigt in den meisten Fällen und sinkt nur selten. Dies zeigt ein Vergleich der beiden Modelle mit den heutigen gesetzlichen Rentenversprechen. Den Vergleich hat das Bundesamt für Sozialversicherungen erstellt.

Wer zum Beispiel 2018, bei der Umsetzung der Reform, 39 Jahre alt ist und ein Lohnniveau von 40'000 Franken erreicht, soll dereinst im Alter 202 Franken (Ständerat) oder 278 Franken (Nationalrat) mehr Rente pro Monat erhalten als nach heutigem Regime. Für Jüngere ­soll das Rentenniveau unabhängig vom Modell noch stärker steigen.

Über alle Altersklassen gilt: Je tiefer das Einkommen, desto grösser die Rentenaufbesserung. Davon profitieren gerade auch Personen mit Teilzeitjobs. Interessant: Für Unter-50-Jährige mit tiefen bis mittleren Löhnen sorgt das bürgerliche Modell fast ausnahmslos für die grösseren Rentenerhöhungen. Sie müssten dafür aber während des Erwerbslebens auch tiefer ins Portemonnaie greifen, doch dazu später.

Sinkt das Rentenniveau?

Politisch am brisantesten ist die Frage, ob das Rentenniveau im Vergleich zu heute teilweise ­sinken würde. Punktuell wäre das in beiden Modellen zwar der Fall, die Verluste wären aber relativ klein. Im Mitte-links-Modell des Ständerats beträgt der maximale Verlust 70 Franken im Monat, im bürgerlichen Gegenmodell 46 Franken. Beide Male wären Personen knapp unter 50 Jahren betroffen, die ein Lohnniveau von 84'600 Franken haben. Wichtig: All dies gilt nur für die gesetzlich garantierten ­Renten. Im überobligatorischen Teil – ab einem Lohnniveau von 84'600 Franken – legen die Pensions­kassen ihre Leistungen weiterhin frei fest.

Wer bezahlt die Renten?

Nun beleuchten aber diese Zahlen nur die eine Seite der ­Medaille: die Renten. Die andere Seite ist weniger schön: Hier geht es um die Frage, wer diese Renten bezahlt. Da auch Politiker nicht zaubern können, sehen beide Modelle vor, die Lohnabzüge relativ kräftig zu erhöhen, damit sich die versprochenen Renten finanzieren lassen. Auch dazu liegen Zahlen des Bundes vor. Da die Renten im bürgerlichen Modell des Nationalrats stärker steigen, erstaunt es nicht, dass hier auch die Lohnabzüge stärker erhöht werden.

Hier zeigt sich auch der wesentliche Unterschied der Modelle: Dadurch, dass das Mitte-links-Modell des Ständerats auch eine Erhöhung der AHV umfasst, fällt die Belastung für tiefere Einkommen hier umso milder aus. Das zeigt sich zum Beispiel bei den ­54-Jährigen mit 40'000 Franken Lohn: Sie erhalten in beiden Modellen eine ähnliche Rentenerhöhung, ihre Lohnabzüge steigen aber im bürgerlichen Modell deutlich stärker an (um 110 statt 70 Franken im Monat). In anderen Fällen ist der Unterschied noch grösser, zum Teil ist die bürgerliche Variante für die Betroffenen mehr als doppelt so teuer.

Der Grund ist banal und hat drei Buchstaben: AHV. Die Erhöhung der AHV-Renten im Mitte-links-Modell wird solidarisch von allen Erwerbstätigen gemeinsam finanziert. Dabei kommt eine starke Quersubventionierung von Jung zu Alt und Reich zu Arm zum Tragen. Im bürgerlichen Gegenmodell hingegen läuft die ganze Übung über die 2. Säule, in der jeder für sich selber anspart.

Das erschwert den direkten Vergleich der beiden Modelle, weil die Kosten in der AHV nicht vollständig ersichtlich sind. Sicher ist, dass das Mitte-links-Modell dank dem AHV-Ausbau für Ältere sehr attraktiv ist: Hier muss die Generation Ü-50 praktisch durchs Band weg deutlich weniger einzahlen als beim bürgerliche Gegenmodell und erhielte trotzdem höhere Renten. Dieses Geld kommt von den Jungen und der Allgemeinheit.

Ein Fazit

Es lässt sich folgendes Fazit ziehen: Das Mitte-links-Modell mit dem AHV-Ausbau ist umso attraktiver, je älter jemand ist und je weniger er verdient. Man kann es auch anders sagen: Die Kosten der ganzen Übung betragen im bürgerlichen Modell 2,9 Milliarden Franken im Jahr, wovon die Direktbetroffenen aus den unteren bis mittleren Lohnschichten den Grossteil selber tragen müssen. Beim Mitte-links-Modell hingegen, das 3,3 Milliarden Franken kostet, soll die Allgemeinheit solidarisch gut die Hälfte der Kosten beisteuern, Tendenz steigend. Der Ausbau der AHV kostet im Jahr 2030 rund 1,4 Milliarden Franken und 2035 bereits 2,1 Milliarden.

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