Die neuen Musketiere

Exponenten von SVP, SP und der Wirtschaft haben sich zusammengetan, «um Alarm zu schlagen». Ein Treffen, das Erinnerungen weckt.

SVP-Nationalrat Peter Spuhler, SP-Nationalrat Corrado Pardini und Swatch-CEO Nick Hayek (v. l.). Bild: Unia.

SVP-Nationalrat Peter Spuhler, SP-Nationalrat Corrado Pardini und Swatch-CEO Nick Hayek (v. l.). Bild: Unia.

Lynn Scheurer@Ciao_Lynn

Auf den Tag genau vor sechs Jahren war ein ungewöhnliches Trio an die Öffentlichkeit getreten: Alt-Bundesrat Christoph Blocher, SP-Präsident Christian Levrat und der unterdessen verstorbene Nicolas G. Hayek. Der gemeinsame Auftritt von SVP, SP und Unternehmertum stand damals ganz im Zeichen der Bankenkrise und der staatlichen Rettung der UBS. Das Thema lautete deshalb: «Wenn die Bankengrösse zum Problem für das ganze Land wird.»

Heute, sechs Jahre danach, scheint sich in der Schweiz wieder ein unerwartetes Trio zusammenzufinden. Dieses Mal steht aber nicht die Regulierung der Banken, sondern stehen der starke Franken und die Beziehungen zur EU im Zentrum. Wieder stehen mit dem Berner Nationalrat Corrado Pardini ein SP- und mit Stadler-Rail-Chef Peter Spuhler ein SVP-Mann zur Stelle. Nick Hayek übernimmt als CEO der Swatch den Platz seines Vaters. Corrado Pardini leitet ausserdem den Sektor Industrie bei der Gewerkschaft Unia, welche die Diskussionsrunde organisiert hat. Dass sie am gleichen Datum stattfindet wie der Auftritt von Blocher, Levrat und Hayek senior, ist laut Pardini ein absoluter Zufall.

Bei der Diskussion sei es darum gegangen, mit «echten Unternehmern» der Schweiz am Tisch zu sitzen, sagt Pardini. «Solche, die im Unterschied zu manchen Managern nicht nur kurzfristige Gewinne vor Augen haben.» Für ihn ist ein Schulterschluss von Gewerkschaften und Unternehmern dringend nötig, denn die wirtschaftliche Situation sei heute noch schlimmer als vor sechs Jahren. Der Schweiz drohe das Wegbrechen von wichtigen Industriezweigen, etwa der Maschinenindustrie. «Die Situation ist dramatisch. Deshalb haben wir heute probiert, die Alarmglocken zu läuten.»

Das alte Trio hielt nicht lange

Der Schulterschluss des alten Trios Hayek, Blocher und Levrat hatte nicht sehr lange gehalten. Bei der Medienkonferenz 2009 hatten sie – neben den obligatorischen Seitenhieben – noch Einigkeit demonstriert. Gemeinsames Ziel war es, UBS und Credit Suisse so umzubauen, dass man sie in der Not fallen lassen könnte – ohne dass deswegen die Volkswirtschaft in Mitleidenschaft gezogen wird. SP-Präsident Christian Levrat sagte damals, er habe dem gemeinsamen Auftritt nur mit grossen Bedenken zugestimmt. Aber: «Die Situation zwingt uns Sozialdemokraten, einen Tabubruch zu begehen und mit dem ärgsten politischen Gegner gemeinsam aufzutreten.» Hayek sagte dazu: «Die zwei grössten Parteien sind bereit, sich einzusetzen, wenn das Gemeinwohl auf dem Spiel steht.» Ein gutes halbes Jahr später war dann vieles schon wieder anders. SVP und SP gingen danach in punkto Bankenregulierung wieder auf Distanz. Bei der Frage, wie sich diese umsetzen liesse, gingen die Ansichten zu sehr auseinander.

  • loading indicator

Corrado Pardini glaubt nicht, dass die Zusammenarbeit zwischen Nick Hayek, Peter Spuhler und ihm ebenso kurzlebig sein wird. «Beide haben mir zugesichert, dass sie bereit sind, weiter mit mir zusammenzuarbeiten.» Die Runde der Gesprächsteilnehmer werde aber auf jeden Fall auch erweitert. «Finden die Sozialpartner keinen Weg, wird es keine Lösungen geben, weder für das Frankenproblem noch für den Werkplatz und erst recht nicht für unsere schwierig gewordenen Beziehungen zu Europa», sagt Pardini.

Die Unia kann sich durch die Aktion auch bei den Angestellten der Maschinenindustrie profilieren. Laut einem Branchenkenner hat sie mit ihrem klassenkämpferischen Tonfall Angestellte der Maschinenindustrie an andere Gewerkschaften verloren. Pardini widerspricht und sagt, dass die Diskussion zeige, dass die Unia die wichtigste Gewerkschaft in der Industrie sei. «Wir müssen die Bilateralen stärken, die Stärkung des Frankens stoppen und die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative mitgestalten, um der Industrie wieder Planungssicherheit zu geben. Diese Ziele haben Peter Spuhler, Nick Hayek und ich gemeinsam.»

Die Schlacht um Marignano: Der Streit, die Fakten, das Game. Das grosse Multimedia-Spezial.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...