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«Die Mieten sind gar nicht so stark gestiegen»

Kurz nachdem ein BWO-Bericht den Zusammenhang zwischen Zuwanderung und Wohnungsnot bestätigt, präsentiert Avenir Suisse eine gegensätzliche Studie. Diese sieht das Problem an einem anderen Ort.

Die Wohnungssuche ist momentan schwierig: Wohnsiedlung Hardau in Zürich. (9. Juli 2008)
Die Wohnungssuche ist momentan schwierig: Wohnsiedlung Hardau in Zürich. (9. Juli 2008)
Keystone

Vor wenigen Tagen hat das Bundesamt für Wohnraum zum ersten Mal eine Studie präsentiert, welche sich konkret den Auswirkungen der Personenfreizügigkeit auf den Wohnungsmarkt widmet. Dem Bericht zufolge hat sich die Zuwanderung in den letzten fünf Jahren «stark» auf den Wohnungsmarkt ausgewirkt. So ist die Anzahl von Schweizern bewohnter Haushalte von 2005 bis 2010 um 20'453 (1,34 Prozent) auf 1'541'575 gestiegen, die Anzahl von Ausländern bewohnter Haushalte erhöhte sich um 69'818 (15,56 Prozent) auf 518'490.

Der heute veröffentlichte Bericht zum selben Thema von der liberalen Denkfabrik Avenir Suisse kommt zu einem anderen Schluss. Die hohe Zahl an Einwanderern ist nicht Ursache der verbreiteten Wohnungsnot. Sie akzentuiere nur ein Problem, das weitgehend hausgemacht sei. «Wir haben die letzten 40 Jahre untersucht und dabei herausgefunden, dass die Mieten gar nicht so stark gestiegen sind, wie es immer heisst», sagt Gerhard Schwarz, Direktor von Avenir Suisse.

Avenir Suisse will Wohnraum verdichten

Der Anstieg der Mietpreise sei das Resultat einer massiven Zunahme des Wohlstandes, von Markteingriffen und zu geringem Wohnungsbau in den letzten Jahren, heisst es in dem heute veröffentlichten Diskussionspapier von Avenir Suisse. So seien die Reallöhne seit 1970 um gut 65 Prozent gestiegen. Die Mieten hätten gleichzeitig auf dem Neu- und Wiedervermietungsmarkt nur um 38,5 Prozent zugenommen.

Will man die Mietpreise weitgehend tief halten und gleichzeitig die Zuwanderung zulassen, gibt es laut Gerhard Schwarz, Direktor von Avenir Suisse, zwei Vorgehensweisen: «Einerseits könnte man auf die Zersiedlung setzen, andererseits wäre die Verdichtung des Wohnraumes in den Städten eine Lösung. Wir plädieren für die zweite Variante.»

Eingesessene Mieter wohnen zu billig

Avenir Suisse, eine von Konzernen getragene Stiftung, möchte den Markt spielen lassen. Denn benachteiligt sei derzeit vor allem der mobile Teil des Mittelstandes, also viele Leistungsträger, die mit einem schmalen Neu- und Wiedervermietungsangebot konfrontiert seien, wo die Mieten tatsächlich stark steigen würden.

Viele eingesessene Mieter wohnen demnach zu billig: Regulierungen wie das gesetzliche Prinzip, wonach die Mieten nur gebunden an die Kostenentwicklung steigen dürften, und der gemeinnützige Wohnungsbau führen laut Avenir Suisse zu Fehlentwicklungen, vor allem in Städten.

Wohnkosten zu tief

So seien die Mieten in der Stadt Zürich trotz starker Einwanderung weniger gestiegen als im Schweizer Durchschnitt. Drei Viertel der Stadtbewohner seien durch Kostenmiete und gemeinnützigen Wohnungsbau von den Auswirkungen der zunehmenden Nachfrage geschützt. Dies fördere die Unterbelegung des bestehenden Wohnungsparks, Umzüge seien unattraktiv.

Warum zunehmend auch bestimmte mittelständische Familien vergünstigten Wohnraum erhalten, andere ähnliche Haushalte hingegen nicht, sei eine nicht zu beantwortende Frage.

Richtige Anreize schaffen

Laut Avenir Suisse würde ein deregulierter Wohnungsmarkt den städtischen Wohnraum effizienter auf die Nachfrager verteilen und auch bei den Anbietern die richtigen Anreize setzen. Höhere Bodenpreise und Mieten wären zudem das notwendige ökonomische Signal zu einem schonenderen Umgang mit dem Boden.

Bis anhin sei die Wohnkostenbelastung durch einen hohen Bodenverbrauch zu tief gehalten worden. Stattdessen solle künftig der städtische Raum verdichtet werden.

SDA/wid

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