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Die Linke greift die Geburtsstätte der CVP an – mithilfe der SVP

Im luzernerischen Ruswil wurde 1842 die CVP gegründet. Nun könnte erstmals eine SP-Frau Gemeindepräsidentin werden.

Der Gasthof Rössli in Ruswil ist für die CVP von grosser symbolischer Bedeutung: Im Rössli wurde 1842 die Partei gegründet. Bild: Urs Flüeler/Keystone
Der Gasthof Rössli in Ruswil ist für die CVP von grosser symbolischer Bedeutung: Im Rössli wurde 1842 die Partei gegründet. Bild: Urs Flüeler/Keystone

Ruswil liegt idyllisch eingebettet in der Hügellandschaft zwischen dem Sempachersee, dem Entlebuch und Luzern. Rusmu – wie die Einheimischen sagen – ist nicht nur die grösste Bauerngemeinde der Schweiz, sondern die Schweinehochburg des Kantons Luzern: Hier leben 32'695 Schweine, aber nur rund 6800 Menschen. Kürzlich gab die letzte Metzgerei bekannt, bald zu schliessen, dafür bekommt Ruswil eine Indoor-Minigolf-Anlage – Neuigkeiten, die höchstens lokal von Interesse sind. Aber am 29. April wählen die Ruswiler ihren neuen Gemeindepräsidenten. Dabei droht der CVP ausgerechnet an ihrer Geburtsstätte eine historische Niederlage.

Im Gasthaus Rössli ist 1842 der Ruswiler Verein, der Vorläufer der Katholisch-Konservativen Partei und der späteren CVP, gegründet worden. Hier wurde das erste Parteiprogramm geschrieben, und hier haben die Vorfahren der früheren CVP-Bundesrätin Ruth Metzler gewirtet. Dass die Wiege der CVP Schweiz für die Partei immer noch von grosser Bedeutung ist, zeigt die Rettungsaktion von 2012: Weil der denkmalgeschützte Landgasthof vor der Schliessung stand, entschloss sich die kantonale CVP, das Rössli zu kaufen.

Im Kanton wie in Ruswil ist die CVP immer noch die wählerstärkste Partei. Nicht überraschend befindet sich das Gemeindepräsidium seit jeher in CVP-Hand. Anfang Jahr gab nun der langjährige Gemeindepräsident und CVP-Nationalrat Leo Müller seinen Rücktritt aus der kommunalen Politik bekannt. Als seinen Nachfolger nominierte die CVP einstimmig den Landwirt und Ortsparteipräsidenten Franzsepp Erni.

SP-SVP – eine äusserst seltene Allianz

Aktuell setzt sich der Gemeinderat aus drei CVP- und je einem FDP- und SP-Vertreter zusammen. Mitte März gab die SP bekannt, dass sie mit ihrer Gemeinderätin Lotti Stadelmann den CVP-Sitz angreifen würde. Rein wahlarithmetisch wäre das ein chancenloses Unterfangen: Die SP kommt in Ruswil auf rund 8 Prozent Wähleranteil, die CVP dagegen auf fast 37 Prozent. Doch letzte Woche trat die SVP (knapp 30 Prozent) auf den Plan und gab eine Wahlempfehlung für die Genossin ab.

Die SP-Kandidatin sei volksnah, politisch erfahren und für die Volkspartei nicht so weit links anzusiedeln, um nicht wählbar zu sein, sagte der SVP-Ortsparteipräsident der «Luzerner Zeitung». In dieser Klarheit sei die Unterstützung «eine äusserst seltene Konstellation», kommentierte das Blatt. Erschwerend für die CVP kommt dazu, dass die FDP mit rund 17 Prozent Wähleranteil Stimmfreigabe beschloss. Die SP ist elektrisiert von der Aussicht, an diesem symbolischen Ort einen Sieg erringen zu können. Kantonalpräsident David Roth vermeidet aber jeglichen Übermut: «Lotti Stadelmann ist das Gegenbild zu den langjährigen politischen Machtstrukturen in Ruswil, sie kommt dank ihrer offenen und zugänglichen Art gut an.»

CVP: «Das Rennen ist offen»

Schlecht kommt naturgemäss die Allianz bei den Christdemokraten an – auch weil sich die CVP in der Vergangenheit immer wieder von der SVP anhören musste, sie sei nicht bürgerlich, da sie mit der Linken stimmen würde, sagt Rico De Bona, Parteisekretär der kantonalen CVP. De Bona stellt die Frage der Glaubwürdigkeit und wirft der Volkspartei politisches Kalkül vor. «Mit der Wahl der SP-Frau würde ein Sitz im Gemeinderat frei werden, den die SVP beanspruchen würde.»

De Bona betont, dass der Findungsprozess äusserst seriös durchgeführt wurde und sich mit Franzsepp Erni ein sehr qualifizierter Kandidat zur Wahl stellen würde. Aber: «Vor 20 Jahren wäre der Ausgang völlig klar gewesen, aber heute mit den vielen Neuzuzügern in Ruswil ist das Rennen offen.» Vor 20 Jahren hatte die Luzerner CVP auch einen Wähleranteil von fast 40 Prozent, mittlerweile sind es noch aktuell rund 30 Prozent.

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