Die Fehler machte er selbst

Michael Lauber droht die Abwahl. Weil er berechtigte Kritik beiseite wischte – und dann die Kontrolle über sein Image verlor.

Er hat sich in seinem Fall verheddert: Bundesanwalt Michael Lauber. (Keystone/Peter Klaunzer/10. Mai 2019)

Er hat sich in seinem Fall verheddert: Bundesanwalt Michael Lauber. (Keystone/Peter Klaunzer/10. Mai 2019)

Mario Stäuble@mario_staeuble

Über Jahre gelang es Michael «Mike» Lauber, Ruhe in die Bundesanwaltschaft zu bringen, in diese extrem exponierte Behörde, an welche die Öffentlichkeit ständig hohe bis überhöhte Erwartungen stellt.

Aber nun, nach sieben Jahren mit breitem Zuspruch, plötzlich das: Empfehlung zur Nichtwiederwahl. Formelles Misstrauensvotum aus jenem parlamentarischen Gremium, das ihn zuvor zweimal diskussionslos zur Wahl empfohlen hatte. Die Abwahl droht.

Wie das kam? Lauber beging juristische Fehler. Vor allem aber verlor der talentierte Kommunikator die Herrschaft über sein eigenes Image.

Wurzel des Problems sind die Off-The-Record-Treffen mit Fifa-Präsident Gianni Infantino. Viele Bürgerinnen, Medienleute, Parlamentarier nehmen es Lauber nicht ab, wenn er sagt, er könne sich an das letzte von drei Tête-à-Têtes nicht mehr erinnern. Eine solche Gedächtnislücke wirkt lebensfremd: Fifa-Chef Infantino – sein Auftritt, sein Machthunger – ist keine Figur, die man leicht vergisst.

Gegenangriff statt Einsicht

Eine solche terminliche Leerstelle rechtfertigt jedenfalls eine unabhängige Untersuchung. Doch statt dies einzusehen, ging Lauber zum Gegenangriff auf seine Kontrolleure über. Dabei unterliefen ihm Fehler. An einer Pressekonferenz setzte er Kritik an ihm mit einer «heraufbeschworenen Krise» an der Institution Bundesanwaltschaft gleich. Beobachter diagnostizierten Machtfieber.

Jede zusätzliche Wendung hält seither die «Affäre Lauber» am Köcheln, während über allem die Frage schwebt: Was zum Teufel haben der Bundesanwalt und der Fifa-Präsident im Berner Hotel Schweizerhof nur besprochen?

Keiner will Däumchendreher sein

Man wird es vielleicht nie wissen. Das Parlament hat heute via Gerichtskommission angedeutet, dass es genug hat – und Laubers Karriere am 25. September mittels politischem Machtwort abklemmen will. Da ist wohl eine Portion Selbstschutz dabei: Die Parlamentarier stehen zurzeit im Wahlkampf, und niemand will als Däumchendreher hingestellt werden, der mögliches Fehlverhalten des obersten Strafverfolgers schweigend hinnimmt. Besser durchgreifen.

Michael Lauber muss sich – nebst Protokoll- und Gedächtnislücken – vorwerfen lassen, dass er diese Entwicklungen nicht hat kommen sehen. Dass er sich stattdessen Woche für Woche mehr und mehr in seinem Fall verhedderte.

Und damit letztlich selbst seine Karriere in schwere Gefahr brachte.

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