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Die Bilanz der Berner Newcomer

Der SVP-Nationalrat wirkt brav und nicht wie jemand, der  Ellbogen ausfährt. Dies bestätigt er mit einem politischen Credo: «Provozieren  ist erlaubt, solange niemand beleidigt wird.» Obwohl sich die SVP manchmal keinen Deut um solche Stilfragen schert, konnte Rösti in der Bundeshausfraktion rasch Tritt fassen. In der ersten Legislaturhälfte zog Rösti bei der Debatte zur Agrarreform für die SVP-Fraktion die Fäden. In der Energiekommission vertrat er zudem für die eigene Partei die Geschäfte zur Energiewende. Die Parteiverantwortlichen trauen ihm sogar zu, die SVP in den nächsten Wahlkampf zu führen. Manche sehen in der Ernennung Röstis allerdings nur ein Mittel zum Zweck: Mit ihm als Aushängeschild und einem moderateren Auftritt soll die Partei  breitere Wählerschichten erschliessen. Darauf angesprochen verweist Rösti  auf sein Stimmverhalten: Er trete wohl gemässigt auf,  stimme aber konsequent auf der Linie der rechtsbürgerlichen Fraktion. Als Hauptgrund für seine Ernennung zum Kampagnenleiter nennt Rösti seine Unabhängigkeit: Er repräsentiere keinen grossen Interessenverband.
Jüngere Politiker und insbesondere Frauen, die stramm auf bürgerlich-konservativer Linie marschieren, geniessen in der SVP viel Rückhalt und werden gefördert. So auch Nadja Pieren. Die Kinderkrippenleiterin legte einen steilen Einstieg hin und zog im Nu ins Vizepräsidium der SVP Schweiz ein. Doch sie will nicht nur eine Vorzeigefrau sein. Und das ist sie auch nicht. So leitet Pieren die Abstimmungskampagne  für die Familieninitiative der SVP (Abstimmung am 24. November).  An vorderster Front bekämpfte sie mit Erfolg den Familienartikel, mit dem die CVP eine breitere Unterstützung von Familien im Schweizer Recht verankern wollte. Ihren ersten «Arena»-Auftritt  meisterte sie trotz Nervosität gut. Gemeinsam mit dem Solothurner Nationalrat Walter Wobmann ergriff sie das Referendum gegen die Preiserhöhung der Autobahnvignette, über die das Volk  im November abstimmt. Pieren brillierte vor allem bei Themen mit starker Aussenwirkung.
Viele nahmen die Grünliberalen lange Zeit vor allem als Martin Bäumles Einmannpartei wahr. Dies änderte sich spätestens während der grossen Agrardebatte vom Herbst 2012. Kathrin Bertschy gelang es dabei, der grossen SVP Paroli zu bieten und gegen die starke Bauernlobby mehrere Anliegen durchzusetzen. Rückblickend beschreibt  Bertschy die ersten zwei Jahre in der Bundespolitik als spannende Erfahrung. «Es war aber nicht einfach, sich Respekt zu verschaffen.» Dabei merkte sie auch, wie schwierig es ist, Beruf und ein Nationalratsmandat unter einen Hut zu bringen. Bei jedem Geschäft gebe es die Möglichkeiten, nur ein wenig mitzulaufen oder sich voll reinzuknien. Wer sich für den zweiten Weg entscheide, «kann aber extrem viel bewegen». Man spürt, dass sich Bertschy ins Thema Landwirtschaft reingekniet hat. Sofort spricht sie Tabuzonen an und erläutert mit präzisen Beispielen und Zahlen, was noch verbessert werden müsste. Eines der nächsten Themen, mit denen sie sich in der Wirtschaftskommission beschäftigen wird, ist die Revision des Kartellrechts.
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