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Die Bahn soll fahren, nicht spekulieren

Reporter Jean-Martin Büttner über den Umgang mit Immobilien in den Städten.

Zürich hat den Fehler schon gemacht, andere Städte in der Schweiz gehen daran, ihn zu wiederholen. An allerbester Lage direkt beim Bahnhof wird auf über einem Dutzend Arealen in der Schweiz Land frei, weil die Bahn es nicht mehr braucht. Das Land gehört den SBB, und sie hat sich dazu verpflichtet, Gewinne zu machen. Aus dieser Kombination heraus konnte in Zürich passieren, was heute als Fehler offensichtlich ist.

Gebaut wurden Büros und Wohnungen für Reiche, herausgekommen sind grosse Häuser, die abends leerstehen, Plätze ohne Atmosphäre, eine gleissende Nekropole mitten in der Stadt. Also nicht das Gute an bester Lage, sondern das Schlimmstmögliche, das Gegenteil einer Stadtentwicklung, die der Stadt mehr zugutekommt als den Investoren, die in ihr bauen.

Als Nächstes ist Luzern dran, und als sähen selbst die SBB voraus, wie das Projekt herauskommen wird, versprechen sie einen «belebten urbanen Lebensraum». Keines dieser drei Wörter wird man auf das Gebaute anwenden können. Und wenn es so weitergeht, werden auch Basel, Genf, Lausanne und Freiburg ihre letzten grossen freiwerdenden Flächen in grosse, leere Häuser umwandeln lassen.

Der Zielkonflikt ist offensichtlich: Die SBB brauchen enorme Mittel, und es ist richtig, dass sie auf Gewinn zielen. Die Städte sorgen sich um Wohnraum und Lebensqualität gerade in ihren Zentren. Was aber jetzt gebaut wird, wird lange stehen bleiben; urbanistische Fehler belasten eine Stadt während Jahrzehnten.

Die Städte gehen vor. Der Bund soll die SBB so weit vom Geldverdienen dispensieren, dass sie als Bauherrin verwirklichen kann, was sie bei jedem neuen Projekt angeblich prüft: preisgünstigen Wohnraum zu schaffen, den sich auch Familien leisten können, Büros bereitzustellen, die nicht nur von Banken und Versicherungen gemietet werden, Läden einzuquartieren mit anderen Preisen.

Wie gut es herauskommt, wenn auf Lebensqualität und Durchmischung geachtet wird, zeigen die Städte selber. Als sie dreckig und lärmig waren, zogen die Familien aufs Land. Heute gibt es kaum Schöneres, als in der Stadt zu wohnen.

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