Deutsche verärgert, weil sie kein SRF mehr empfangen können

Seit Anfang Juni empfangen grenznahe Deutsche kein SRF mehr, weil die SRG das digitale Antennenfernsehen eingestellt hat.

Mattscheibe: Seit dem 3. Juni kein Empfang mehr der SRF-Kanäle auf DVB-T für Nachbarn nördlich des Rheins. (Keystone/Ennio Leanza/4. März 2018)

Mattscheibe: Seit dem 3. Juni kein Empfang mehr der SRF-Kanäle auf DVB-T für Nachbarn nördlich des Rheins. (Keystone/Ennio Leanza/4. März 2018)

Seit Wochen rumorte es in der deutschen Grenzregion, nun ist es passiert: Wie die «bz Basel» berichtet, können deutsche Zuschauer im Grenzgebiet seit Montag kein SRF 1 und SRF 2 mehr im Kabelnetz empfangen. Der Grund dafür: Die SRG hat die Verbreitung ihres Programms über das terrestrische digitale Antennenfernsehen (DVB-T) eingestellt. Dieses Signal wurde von den deutschen Kabelnetzbetreibern abgefangen und ins eigene Netz gespeist. Zuschauer, Lokalpolitiker und grenznahe Gemeinden kritisieren die SRG deswegen.

In Bad Säckingen, rund 30 Kilometer östlich von Basel, kritisierte das Parlament in einer Resolution den Sendestopp. Laut dem Artikel finden die Abgeordneten es nicht nachvollziehbar, dass eine solche Selbstverständlichkeit plötzlich aufgehoben und den Rhein entlang eine faktische «Rundfunkmauer» errichtet werde. Die Gemeinde wolle sich dafür einsetzen, sich regelmässig die «mediale Brille» der jeweiligen Nachbarn aufsetzen zu können. Dies sei wichtig für das deutsch-schweizerische Miteinander. Das Parlament appellierte ebenfalls an die baden-württembergische Landesregierung, sich für dieses Anliegen starkzumachen.

Schweizer Sender sind populär

Bereits Ende März gelangte der Waldshuter Bundestagsabgeordnete Felix Schreiner (CDU) mit derselben Forderung an den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne). Die Schweizer Sender seien in der Grenzregion sehr beliebt und ein Mehrwert für den kulturellen Austausch über die Grenzen hinweg, liess er in einer Medienmitteilung verlauten. Auch seine Amtskollegin Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD) verwies auf die Tausenden deutschen Zuschauer, die die beiden SRG-Sender bisher empfangen hätten.

Der Lörracher Landtagsabgeordnete Josha Frey (Grüne) beklagt der Zeitung gegenüber den Entscheid: «Das ist schlecht für das interkulturelle Verständnis. Es ist interessant, die Schweizer Sicht der deutschen Politik gespiegelt zu bekommen.» Allerdings hätten der Ministerpräsident Kretschmann und die baden-württembergische Landesregierung keinen Einfluss auf die Entscheidung von SRF.

Das Bakom erklärt die Gründe

Auf eine entsprechende Anfrage machte das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) vor allem wirtschaftliche Gründe für den Entscheid der SRG geltend. Laut Direktor Philipp Metzger nutzen nur 1,4 Prozent der Schweizer Bevölkerung die DVB-T-Technologie, um die SRG-Sender empfangen zu können. Da die SRG gesetzlich zum Sparen verpflichtet sei, komme eine unverschlüsselte Ausstrahlung per Satellit als Alternative ebenfalls nicht in Frage.

Die SRG lehne deshalb auch den Kauf von TV-Senderechten für das Ausland ab. «Die Zusatzkosten wären für den gesamten deutschen Sprachraum im Verhältnis zur relativ kleinen Schweiz unverhältnismässig hoch», so Metzger in der Antwort des Bakom.

Auf Internet ausweichen

Doch ganz ohne Schweizer TV-Sender müssen die deutschen Nachbarn laut Bakom nicht auskommen: Der Sender SRF info und verschiedene SRF-Eigenproduktionen seien nach wie vor über den Kulturkanal 3sat, der weiterhin unverschlüsselt über Satellit gesendet wird, Live-Internetstreaming, die Mediathek Play SRF und den Web-TV-Dienst Zattoo empfangbar.

Auch SRF verweist gegenüber der «bz Basel» auf seine Website und die App, deren Inhalte im Ausland kostenlos abrufbar sind. Eine Ausnahme bilden laut SRF Sportsendungen, die per Geoblocking gesperrt sind.

red

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